Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin
Leichtathleten ziehen positive WM-Bilanz

Sportlich betrachtet stimmt die Bilanz: Sechs Medaillen hatte der DLV als Ziel ausgegeben, neun waren es am Ende. Dass bei sommerlichen Temperaturen und hohen Ticketpreisen viele Besucher dem Stadion fernblieben, verwundert nicht, zumal die ganze Sportart unter einem Interessenschwund leidet. Warum die WM in Berlin trotzdem ein Erfolg war.

BERLIN. Es hätte der krönende Abschluss einer erfolgreichen Woche werden können: Sabrina Mockenhaupt wollte für sich und den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) am letzten Tag der Weltmeisterschaften noch eine weitere Medaille gewinnen. Ihre Chancen standen gestern beim Marathon der Frauen nicht schlecht: Landsfrau und Weltranglistenerste Irina Mikitenko hatte ihren Start abgesagt. Sie trauert um ihren verstorbenen Vater. Auch Weltrekordhalterin Paula Radcliffe verzichtete wegen einer Fußverletzung. Mockenhaupt hatte so zwei Konkurrentinnen weniger. Weil ihr zuvor eine Leistungsdiagnostik gute Medaillenchancen zugesprochen hatte, ging sie selbstbewusst ins Rennen durch die Berliner Innenstadt – doch am Ende belegte sie nur Platz 17.

Die Enttäuschung hielt sich allerdings in Grenzen. Mockenhaupts Bestzeit – Diagnostik hin oder her – reicht nun mal nicht heran an die Spitzenleistungen der Konkurrenz. Und so freute sich die Deutsche schließlich doch über „mein langsamstes, aber schönstes Rennen“.

Die gute Stimmung passte ins Bild, das die deutschen Athleten bei der WM abgegeben haben. Nicht jeder Traum ging in Erfüllung, aber doch so viele, dass DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow seinem Finanzier, dem Bundesministerium des Inneren, melden konnte: Vorgaben übererfüllt. Sechs Medaillen hatte der DLV als Ziel ausgegeben, neun waren es am Ende – zweimal Gold, dreimal Silber, viermal Bronze.

Das war mehr, als die Verantwortlichen erwartet hatten. Vor einem Jahr beendeten die DLV-Athleten ihren Ausflug nach Peking zu den Olympischen Spielen mit nur einer Bronzemedaille. Längst sind die Laufnationen USA und Jamaika sowie die mit üppigen Staatsgeldern finanzierte russische Leichtathletik Deutschland weit enteilt. Mit welchen Mitteln, gibt freilich Anlass zur Skepsis. Hierzulande erinnern sich noch viele an die Siege, die die Deutschen früher auf den Sprintdistanzen errungen haben – unlauter waren die meisten davon. Auch in den anderen Disziplinen kann der DLV nicht darauf hoffen, dass die Erfolge sich so leicht wiederholen lassen – einige der Medaillengewinner treten bald ab.

Zudem hat der Verband nicht genügend Geld, um seinen Nachwuchs schnell an die Weltspitze heranzuführen. In Berlin erklärte der aus seinem Amt scheidende Mallow, dass Deutschland kaum eine Chance habe, den alten Platz wieder einzunehmen. „Wir haben nach der heutigen Kaufkraft die Hälfte der Mittel, die es 1991 gab“, sagte Mallow. Aufgeben werde der Verband deshalb aber nicht. „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

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