Leichtathletik WM
Betty Heidler sichert sich Gold im Hammerwurf

Betty Heidler ist neue Weltmeisterin im Hammerwurf. Mit im zweiten Versuch erzielten 74,76 Metern siegte die DLV-Athletin knapp vor der Kubanerin Yipsi Moreno, die nur zwei Zentimeter weniger warf.

Der Spruch auf der Deutschland-Fahne wurde zum Programm. "Betty, lass den Hammer fliegen" prangte in großen Lettern auf der Flagge, die Betty Heidlers Eltern im Stadion entrollten. Und irgendwie sprang wohl vor den 30 000 Zuschauern im Nagai-Stadion der Funke auf die Tochter über.

Als der Hammer der kubanischen Olympiasiegerin Yipsi Moreno im letzten Versuch zwei Zentimeter hinter den goldenen 74,76m der Olympiavierten gelandet war, als die Chinesin Wenxiu Zhang als letzte Werferin ihr Pulver verschossen hatte, da entlud sich die ganze Anspannung von Betty Heidler in einem Luftsprung. Sie umarmte erst Moreno, dann die Polin Kamila Skolimowska (4.), und es wirkte so, als wolle sie durch diese Geste deutlich machen: 2008 in Peking werde ich euch beiden als dritte Olympiasiegerin der Hammerwurf-Geschichte folgen.

Heidler jubelt: "Das war heute mein Glückstag"

"Das war heute mein Glückstag", waren die ersten Worte der neuen Weltmeisterin. Zwei Zentimeter hatten entschieden, wie vor 35 Jahren bei Olympia in München beim legendären Speerwurf-Duell zwischen Klaus Wolfermann und dem Letten Janis Lusis. Doch es war neben Können auch Nervenstärke, was Betty Heidler auszeichnete. "Mein erster Wurf ging leider ins Aus. Doch ich war mir sicher, dass der zweite sitzt. Dann hatte ich bis zuletzt nur Angst vor dem Konter von Moreno." Deren letzter Wurf hatte ihr bei Olympia in Athen bereits das Bronze entrissen.

Starke Arme hatte Betty Heidler schon immer, aber wenn es bei Großereignissen drauf ankam, oft schwache Nerven. Bei der WM 2005 in Helsinki war die deutsche Rekordlerin (76,55m) in der Qualifikation auf der Strecke geblieben. Grund genug, Hilfe zu suchen. Beim Europacup 2006 fruchtete die Zusammenarbeit mit der Sportpsychologin Heike Kugeler, die sie fünf- bis sechsmal im Jahr sieht, noch nicht. Doch in Osaka zeigte sie echte Wettkampfqualitäten.

Trainer Deyhle: "Das ist ergreifend"

"Das ist ergreifend. So eine Situation hat man nicht oft im Leben. Ein Moment, auf den man Jahre hofft", entfuhr es Trainer Michael Deyhle in der Stunde des Triumphes. Für ihn hat "Betty bewiesen, dass sie zu den Besten gehört. Aber das war noch nicht alles, wir haben hohe Ziele", meinte der seit fünf Jahren mit der Weltmeisterin arbeitende Frankfurter.

"Ich denke schon mal an den Weltrekord", hat Betty Heidler kürzlich gesagt - auch wenn die Marke der Russin Tatjana Lysenko bei 78,61m steht. Vielleicht nicht mehr lange, der Dopingsuspendierung kann auch dessen Aberkennung folgen. "Zwei Meter sind eine ganze Menge. Aber mein Optimum ist ganz sicher nicht erreicht", versichert Heidler, die trotz der Vorbereitung auf die Spiele in Peking ein Jura-Fernstudium aufnehmen will.

Lysenkos Tritt in die Dopingfalle muss für Russlands Star-Ensemble wie ein Schock gewesen sein. In Osaka brachte Jelena Konewzewa als Fünfte nur 72,45m zu Stande. Ex-Weltrekordlerin Gulfina Chanafejewa war mit 69,08 im Vorkampf und Titelverteidigerin Olga Kusenkowa in der Qualifikation gescheitert. Deyhle ist sich sicher: "Die bringen bis Peking nach bekanntem Rezept wieder ein paar Neue nach vorn. Betty ist gewarnt, doch sie hat noch längst nicht alles gezeigt."

© SID

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