sonstige Sportarten

_

Leichtathletik WM: Bolt sprintet in anderen Dimensionen

Usain Bolt ist in Fabelzeit zu Gold über 100m gesprintet. Das deutsche Team darf sich am zweiten Tag über zwei weitere Medaillen freuen: Kleinert und Oeser gewinnen Silber.

Usain Bolt hat in 9,58 Sekunden über 100m einen neuen Weltrekord aufgestellt. Foto: Bongarts/Getty Images Quelle: SID
Usain Bolt hat in 9,58 Sekunden über 100m einen neuen Weltrekord aufgestellt. Foto: Bongarts/Getty Images Quelle: SID

Der "Blitz" Usain Bolt ist in neue Dimensionen gestürmt. In 9,58 Sekunden zauberte Jamaikas Wundersprinter im 100-m-Finale der Berliner Leichtathletik-WM einen fast unglaublichen Weltrekord auf die blaue Piste des Olympiastadions. Auf den Tag genau ein Jahr nach seinen 9,69 von den Sommerspielen in Peking riss der 22-Jährige zusammen mit zwei deutschen Silbermädchen 50 000 Zuschauer aus den Sitzen. Denn dem Bronze-Auftakt von Ralf Bartels (21,37m) folgten binnen zwei Minuten zweite Plätze von Kugelstoßerin Nadine Kleinert (20,20m) und Siebenkämpferin Jennifer Oeser (Leverkusen/6 493) trotz Sturzes über 800m.

Anzeige

"Ich wusste, dass ich meinen Weltrekord verbessern könnte, aber hier bei der WM hatte ich das nicht unbedingt erwartet. Eine großartige Zeit, aber ich habe mich auch sehr gut gefühlt", meinte Bolt, der Titelverteidiger Tyson Gay (USA/9,71) und Jamaikas Ex-Weltrekordler Asafa Powell (9,84) keine Chance ließ. Der sehr gut gestartete Mann von der Karibikinsel wirkte bei der Hälfte des Rennens so, als würde er einen Turbo zünden. Im Gegensatz zum Olympiafinale gab er diesmal nicht schon weit vor dem Ziel die Jubelpose.

Tyson Gay war mit Silber glücklich: "Exzellent, exzellent, ich bin froh, in diesem Lauf dabei gewesen zu sein. Aber mein Ziel ist weiter der Weltrekord", meinte der Dreifach-Sieger der WM 2007 nach seiner US-Bestmarke.

Jamaikas erster 100-m-Weltmeister Bolt ist zudem der dritte Sprinter der Geschichte nach Carl Lewis und Maurice Greene (beide USA), der Olympiasieg, WM-Gold und Weltrekord zeitgleich auf sich vereinigt. Usain Bolt will das Gold-Triple von Olympia nun auch bei der WM schaffen. Dazu fehlen ihm noch Siege am Donnerstag im 200-m-Finale und am Samstag mit der 4x100-m-Staffel. Gelingt dies, ist er der erste der Geschichte, der dies schafft - möglicherweise wie in Peking mit dreimal Weltrekord (9,69 - 19,30 - 37,10).

Oeser und Kleinert gewinnen Silber

Jennifer Oeser (Leverkusen), die mit Nadine Kleinert einen Freudentanz aufführte, konnte am Ende nur die Britin Jessica Ennis (6 731) nicht mehr gefährden, sicherte aber trotz unverschuldeten Sturzes Silber vor der Polin Chudzik (6 471). "Mir blieb fast das Herz stehen, als ich auf der Bahn lag. Ich dachte: jetzt bloß nicht abkacken", meinte die 25-Jährige, die fünf Sekunden verlor und dann die erste deutsche Siebenkampf-Medaille seit Sabine Brauns WM-Sieg 1997 gewann. Die Grundlagen dazu legte die 25 Jahre alte EM-Vierte (bisher 6 442) durch Bestleistungen in Hochsprung und Kugelstoßen. "Für mich ein Traum", sagte Trainer Karl-Heinz Due.

Nadine Kleinert schockte bei der 13. deutschen WM-Medaille im Kugelstoßen die Konkurrenz gleich mit Einstellung der persönlichen Bestmarke von 20,06m, steigerte diese nach dem Konter von Neuseelands Weltmeisterin Valerie Vili, die am Ende mit 20,44m siegte, auf 20,20. "Ich ärgerte mich, dass der Stoß nicht weiter war, denn Vili schien nicht so gut drauf", meinte Kleinert, die wie Oeser 30 000 Euro Silber-Prämie kassierte. "Das war der Wettkampf ihres Lebens", fand zurecht Trainer Klaus Schneider. Kleinert, 1999 und 2001 schon WM-Zweite, 2007 Dritte und 2004 Olympiazweite, hatte ursprünglich zu Gunsten einer Boxkarriere aufhören wollen, doch diese Pläne legte sie zum Glück ad acta.

Die Bronze-Kugel von Europameister Ralf Bartels war am Vortag Gold wert. "Ich wollte dem Team wie 2005 mit meiner ersten WM-Medaille die richtige Initialzündung geben. Im dritten Versuch hat alles gepasst", meinte der euphorische Neubrandenburger, dessen persönliche Freiluft-Bestmarke von 21,37m am Samstag viele der 35 000 Zuschauer von den Sitzen riss. Auch Kanzlerin Angela Merkel applaudierte, Bundespräsident Horst Köhler, der die WM am Samstag um 18.02 Uhr eröffnet hatte, erlebte die erste deutsche Medaille nicht mehr in der Ehrenloge.

Bartels: "Bronze war befreiend für das ganze Team"

"Bronze war befreiend für das ganze Team, wie ein Startschuss. Jetzt sehen auch andere, dass was geht. Die sieben WM-Medaillen von Osaka 2007 sind auch in Berlin möglich", fand Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Das erste Gold des zweiten WM-Tages hatte Olga Kaniskina gefeiert, die im 20-km-Gehen ebenso wie am Vortag der schon wegen Dopings gesperrte Landsmann Waleri Bortschin (1:18:41) den Triumphmarsch am Brandenburger Tor vollendete. Ein dritter Olympiasieger verlor. Im Kugelstoßen schlug Christian Cantwell (USA) mit Weltjahresbestleistung von 22,03m Polens Star Tomasz Majewski. Über 10.000m stoppte Kenias Überraschungsläuferin Linet Chepkwemoi Masai (30:51,24) die Erfolgsserie Äthiopiens.

In der Qualifikation hatten die Speer-Hoffnungen Zitterpartien geliefert, doch die Olympiadritte Christina Obergföll (Offenburg) kam dann mit 60,74m und Europameisterin Steffi Nerius (Leverkusen) mit 61,73m ins Finale am Dienstag. Dort haben beide nur bedingt Medaillenchancen gegen Olympiasiegerin Barbora Spotakova (Tschechien) und die Olympiazweite Maria Abakumowa (Russland), die Obergföll mit 68,92m die Jahres-Weltbestmarke entriss.

Das 90-köpfige deutsche Team verzeichnete unter 26 zum Vorkampf angetreten Athleten neun Ausfälle. Charles Friedek beendete seine Dreisprung-Karriere zehn Jahre nach dem WM-Gold von Sevilla mit drei ungültigen Sprüngen in der Qualifikation. Glänzend dagegen Antje Möldner, die ihren deutschen Rekord über 3 000 m Hindernis vom Vorlauf (9:21,73 Minuten) am Montag im Finale erneut steigern will.

© SID

  • Die aktuellen Top-Themen
20. Bundesliga-Spieltag: Dortmund versagt erneut, Bayer rettet Punkt

Dortmund versagt erneut, Bayer rettet Punkt

Borussia Dortmund verabschiedet sich mit einer grauenvollen Vorstellung in die Winterpause. Nach der Niederlage in Bremen überwintert der BVB auf einem Abstiegsplatz. Auch Schalke lässt Punkte liegen. Der Spieltag.

2:1 gegen Köln: Wolfsburg siegt sich in die Winterpause

Wolfsburg siegt sich in die Winterpause

Der VfL Wolfsburg bleibt der letzte verbliebene, ernsthafte Bayern-Konkurrent – falls es so etwas überhaupt noch gibt. Gegen Köln taten sich die Wölfe lange schwer, am Ende hießt der Machtwinner aber erneut Naldo.

Fußball FIFA: Niersbach: Kein weiterer Gegenkandidat für Blatter

Niersbach: Kein weiterer Gegenkandidat für Blatter

Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, sieht bei der anstehenden Wahl zum FIFA-Präsidenten keinen Gegenkandidaten aus den Reihen der Europäischen Fußballunion für Amtsträger Joseph S. Blatter