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Leichtathletik-WM endet furios

Die Leichtathletik-WM in Finnland ist mit einem spektakulären Finale zu Ende gegangen. Kubas Olympiasiegerin Osleidys Menendez stellte im Speerwurf mit 71,70m den dritten Weltrekord in Helsinki auf.

Finale furioso in Helsinki: Weltrekord mit 71,70m für Kubas Olympiasiegerin Osleidys Menendez, Europarekord mit 70,03m für die Offenburger Speerwurf-Überraschung Christina Obergföll und dahinter Bronze mit 65,96m für die Olympiazweite Steffi Nerius. Spektakulärer als mit dem dritten Weltrekord von Helsinki hätte die 10. Leichtathletik-WM am Sonntag nicht enden können. Das deutsche Team erlebte damit drei Tage nach dem Diskus-Triumph von Franka Dietzsch mit den Medaillen Nummer vier und fünf ein Happyend.

"Obergföll hatte kaum einer auf der Rechnung"

"Sensationell dieses Finale. Christina Obergföll hatte kaum einer auf der Rechnung", meinte ein hocherfreuter Clemens Prokop als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) angesichts der Steigerung der 23-Jährigen, die mit einer Bestmarke von 64,59m zu Buche stand, bevor sie den Europarekord der Norwegerin Trine Hattestad gleich im ersten Versuch um 55 Zentimeter verbesserte. Minuten zuvor hatte Menendez die ideale Thermik zur Steigerung ihrer eigenen Bestmarke um 16 Zentimeter genutzt. Prokop: "Dieser Abschluss, die fünf Medaillen und die Stimmung im Team sind ein wichtiger Impuls für uns auf dem Weg zu Olympia 2008 in Peking und die WM 2009 in Berlin.

"Ich habe meinen Trainer dreimal gefragt, ob ich träume. Ich kann es noch gar nicht fassen", sagte Überraschungsfrau Christina Obergföll, die sich "selbst kneifen musste, um aufzuwachen." Mit ihrem Coup, der mit 30 000 Dollar Prämie zusätzlich versüßt wird, hatte sie auch Teamkollegin Steffi Nerius geschockt. "Ich habe gedacht: "Hallo, was geht denn hier ab? Erst der Weltrekord, dann das Ding von Christina." Dennoch bin ich überglücklich. Ich habe eine Medaille, das war mein Ziel", sagte die Leverkusenerin, die sich damit trösten durfte, dass sie als einzige im DLV die vierte Medaille in Serie nach EM-Silber 2002, WM-Bronze 2003 und Olympia-Silber 2004 gewann.

"Ich bin kein Roboter"

Deutsche Medaillen hatte es in Helsinki neben dem Diskus-Gold von Franka Dietzsch zuvor jeweils in Bronze für Kugelstoßer Ralf Bartels (beide Neubrandenburg) und Diskuswerfer Michael Möllenbeck (Wattenscheid) gegeben. Tags zuvor hatte die Magdeburger Olympiazweite Nadine Kleinert im Kugelstoßen trotz respektabler 19,07m nur Blech gewonnen. "Ich bin kein Roboter, der jedes Jahr eine Medaille holen kann", meinte die zweimalige WM-Zweite nach Rang fünf. Gold gewann mit 20,59m die Weißrussin Nadeschda Ostaptschuk.

Weitspringer Nils Winter enttäuschte nach seiner diesjährigen Steigerung auf 8,21m beim 100. WM-Gold der USA durch Olympiasieger Dwight Phillips (8,60m) mit 7,72m. Über 4x400m kam das Männer-Quartett nicht ins Finale, die Frauen wurden Sechste in 3:28,39 Minuten. Tobias Unger wurde mit der Sprintstaffel in der drittbesten Zeit eines deutschen 4x100-m-Teams (38,48) wie zwei Tage zuvor im 200-m-Endlauf Siebter. "In zwei Jahren bin ich so weit wie die Amerikaner", sagte er vor dem Rückflug in die Heimat.

Platz sieben in der Nationenwertung

Statt auf Rang elf wie beim Olympia-Fiasko von Athen 2004 landete der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bei der Regen-WM trotz einiger Schwächen in der zweiten Halbzeit auf Platz sieben der Nationenwertung. Und die USA eilten mit 100-m-Olympiasieger Justin Gatlin als Sprint-Doppelsieger dem Rest der Welt ungeachtet der Sperren ihrer Stars durch den Balco-Skandal mit 14 Titeln meilenweit voraus. An der Dopingfront herrschte in Helsinki nach der Disqualifikation von drei Olympiasiegerin im Jahr zuvor in Athen fast trügerische Ruhe. Nur eine indische Diskuswerferin wurde ertappt.

Drei Weltrekorde trotz schlechten Wetters

Trotz des Wetterfiaskos wurden fast in einem Drittel der 47 Disziplinen Jahres-Weltbestmarken erzielt, darunter drei mit je 160 000 Dollar belohnte Weltrekorde. Olimpiada Iwanowa in 1:25:41 Stunden im 20-km-Gehen und fast auf Bestellung mit 5,01m ihre russische Teamkameradin Jelena Isinbajewa mit ihrer 18. Stabhochsprung-Bestmarke hatten vor Osleidys Menendez für die beiden ersten Weltrekord gesorgt.

Deutschlands Leichtathleten lagen in der Zahl der Medaillen und zwölf weiteren Finalplatzierungen über dem Minimalziel. Sie fielen vor allem in der ersten WM-Hälfte durch Kampfkraft auf, verzeichneten durch ein neues Gesundheitsmanagement kaum verletzungsbedingte Ausfälle. Nur acht Athleten scheiterten in Runde eins, unter dem Strich enttäuschten nur rund 25 Prozent statt zuletzt über 40 bei der WM 2003 in Paris und Olympia in Athen. "Im Nachhinein hätte ich keinen Nominierten zu Hause gelassen", versicherte der Leitende Cheftrainer Jürgen Mallow.

Ramzi holt Double über 800 und 1500m

Neben Dwight Phillips gab es weitere große Sieger beim Finale der WM. Als Zweiter nach dem Spanier Abel Anton konnte der Marokkaner Jaouad Gharib (2:10:10) einen Marathon-Sieg wiederholen. Als erster bei einer WM schaffte der für Bahrein startetende Marokkaner Rashid Ramzi das Double 800/1500m. Ein zweites Gold in Helsinki eroberten über 4x100m auch Frankreichs neuer Star Hürden-Star Ladji Doucoure und 100-m-Weltmeisterin Lauryn Williams sowie im 5 000-m-Finale die Äthiopierin Tirunesh Dibaba (zuvor 10 000) beim Vierfach-Triumph ihres Landes. Den ersten in der WM-Geschichte hatten die USA zwei Tage zuvor über 200m errungen. Über 400m Hürden triumphierte Russlands Weltrekordlerin Julia Petschonkina in 52,90 Sekunden.

Chinesen mit enttäuschender Bilanz

Doucoure verhinderte in Helsinki, dass China nach dem ersten Olympiagold eine männlichen Leichtathleten in Athen nur eine Medaille gewann. Weltrekordler Xiang Liu gewann Silber und damit drei Jahre vor Olympia im eigenen Land die einzige Medaille für die enttäuschenden Chinesen. Russland gewann durch Tatjana Tomaschowa in 4:00,35 Minuten über 1500m sein sechstes Gold, es folgte Nummer sieben durch das 4x400-m-Quartett der Frauen in 3:20,95 Minuten. Das erste Gold für die große Läufer-Nation Kenia gewann über 5000m Benjamin Limo.

© SID

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