Leichtathletik WM
Gay und Felix das Traumpaar von Osaka

Mit jeweils drei Goldmedaillen waren die US-amerikanischen Sprinter Tyson Gay und Allyson Felix das Traumpaar bei der Leichtathletik-WM im japanischen Osaka. Die deutsche Bilanz fiel zwei Jahre vor Berlin positiv aus.

Das Schlussbild gehörte Berlin. Klaus Wowereit nahm beim Weltsport-Ereignis des Jahres in Osaka 713 Tage vor dem Auftakt der nächsten Leichtathletik-WM 2009 in Berlin (15. bis 23. August) die WM-Fahne in Empfang. Beim Finale hieß es "Konnichi wa" (Guten Tag) Berlin - die deutsche Hauptstadt will der Welt 2009 ein mitreißendes Spektakel bieten, im Kontrast zur trotz Tropenklimas unterkühlten Atmosphäre im Nagai-Stadion.

Osaka war nicht nur Durchgangsstation nach Berlin, sondern für Deutschlands Leichtathleten auch Plattform eines vorsichtigen Comebacks auf der großen Bühne. Nach dem Olympia-Fiasko von Athen und dem Wiederbeginn mit Platz zwölf vor zwei Jahren in Helsinki (1-1-3), gab es nun mit einem Gold und zweimal Edelmetall mehr (2-2-3) Rang fünf im Medaillenspiegel und auch in der Nationenwertung (Punkte für Platz 1-8). Erneut 14 Mal Gold gab es für die USA, überraschend lag Kenia (5) vor Russland (4) und Äthiopien (3). DLV-Cheftrainer Jürgen Mallow: "Wir wollen 2008 in Peking und 2009 in Berlin noch erfolgreicher sein. Doch bei den Russen rollen jetzt Köpfe."

Sebrle ist endgültig "König der Athleten"

Osaka, das mit seinem Motto "Von Osaka - neue Weltrekorde" den Zeitgeist verfehlte, war auch ohne Weltrekord ein sportlicher Hochkaräter. Allein schon wegen der "Könige der WM": Tyson Gay machte nach 9,85 und 19,76 Sekunden beim Sprintdouble und 4x100m ebenso ein Triple perfekt wie 200-m-Star Allyson Felix mit zwei Staffelsiegen. Für viele war dennoch Roman Sebrle der Größte. Der 32-Jährige aus Tschechien schenkte seiner Zehnkampf-Krone den letzten Zacken, als er nach Fabel-Weltrekord (9 026 Punkte 2001), Olympia- und EM-Sieg sowie zwei WM-Titeln in der Halle erstmals unter freiem Himmel Champion wurde (8 676 Punkte).

Für das hohe Niveau dieser WM, die ihren Dopingschleier wohl erst in den nächsten Tagen lüftet (am Sonntag war erst ein Drittel der 1 000 Tests analysiert und eine A-Probe positiv), sprachen 15 Jahres-Weltbestmarken in 47 Disziplinen. Darunter seit 1999 nicht mehr erreichte Leistungen durch die Doppelsieger Jeremy Wariner (43, 45 über 400m) und Allyson Felix (21,81 über 200m). Russlands Stabhochsprung-Zarin Jelena Issinbajewa versprühte mit ihren 4,80m diesmal wenig Glanz.

Gold für Bahamas, Panama und Neuseeland

Für den Fortschritt der Dritten Welt standen an den neun WM-Tagen mit 360 000 Zuschauern Triumphe von Donald Thomas (Bahamas) im Hochsprung, Irving Saladino (Panama) im Weitsprung und Valerie Vili (Neuseeland) im Kugelstoßen. China kam ein Jahr vor Olympia in Peking über ein Gold durch 110-m-Hürden-Star Xiang Liu (12,95) und insgesamt drei Medaillen nicht hinaus. Am Schlusstag verhinderte Reiko Tosa durch Marathon-Bronze, dass Japan nach Schweden (Göteborg 1995) und Kanada (Edmonton 2001) als dritter WM-Gastgeber ohne Medaille blieb.

Am letzten WM-Tag überschlugen sich noch einmal die Ereignisse, und in der 4x400-m-Staffel zum Leidwesen des DLV-Quartetts (8.) auch die Läufer auf der Bahn. Doch es war ohnehin das Finale der Kenianer und Ex-Kenianer. Alfred Kirwa Yego holte über 800m das fünfte Gold für das Läuferland, das Bernard Lagat an die USA verlor - und damit den Mann, der als Erster das WM-Double 1 500/5000m schaffte (13:45,87). Die äthiopische Legionärin Maryam Yusuf Jamal gewann über 1500m in 3:58,75 Bahrains erstes Frauen-Gold.

Vlasic scheitert knapp am Weltrekord

Eine große finnische Tradition setzte Tero Pitkämäki (90,13) fort, dessen Speer im Juli in Rom den Franzosen Salim Sdiri getroffen und dessen WM-Start vereitelt hatte. Im Hochsprung der Superlative mit sechs Frauen über 2,00m und dreien über 2,03m scheiterte Blanka Vlasic (Kroatien/2,05) erst an der Weltrekordhöhe von 2,10m.

Am Tag vor dem rauschenden Finale hatte Danny Ecker mit der ersten WM-Medaille deutscher Stabhochspringer einen Bann gebrochen. Der Leverkusener und auch der fünftplatzierte Dormagener Björn Otto (je 5,81m) hätten mit dem letzten Sprung Gold gewinnen können, doch dieses ging an den Amerikaner Brad Walker (5,86). Nur Achter wurde Tim Lobinger (Köln). "Ich hatte es in der Hand, aber ich bin mit Bronze hoch zufrieden. Das Gute daran ist, dass ich hungrig bleibe", meinte Ecker, 30 Jahre alter Sohn von Olympiasiegerin Heide Rosendahl.

Im Zehnkampf fehlten Hallen-Weltmeister Andre Niklaus (Berlin), der sich um 31 auf 8 371 Punkte steigerte, auf Platz fünf diesmal 215 Zähler an Bronze. Arthur Abele (Ulm/8 243) bestritt als Neunter seinen zweitbesten Zehnkampf und Norman Müller (Halle/Saale) scheiterte mit dem Stab an der Anfangshöhe.

© SID

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