Leichtathletik-WM
„Golden Girl“ Semenya ein Mann?

Mit der Goldmedaille zum Geschlechts-Test: Die erst 18 Jahre alte Caster Semenya hat am Mittwochabend für viel Gesprächsstoff bei der Leichtathletik-WM in Berlin gesorgt. In der Weltjahresbestzeit von 1:55,45 Minuten gewann die Südafrikanerin über 800 Meter den WM-Titel. Auf Veranlassung des Weltverbandes IAAF muss Semenya sich aber einem Geschlechts-Test unterziehen, wie der Verband bestätigte.

HB BERLIN. Wegen ihrer männlichen Erscheinung gibt es Zweifel, ob sie eine Frau ist. Die Ergebnisse der genetischen Untersuchung sollen innerhalb einer Woche vorliegen.

In ihrer Heimat wurde die 18-jährige nach ihrem Sieg ungeachtet der Geschlechtszweifel als "Golden Girl" gefeiert. Vor dem Hintergrund der Spekulationen gratulierte ihr demonstrativ das südafrikanische Frauenministerium. Wörtlich heißt es in dem am Donnerstag in Pretoria veröffentlichten Glückwunsch-Telegramm des Ministeriums: "Der unglaubliche Erfolg Semenyas - trotz aller negativen Medienspekulation über ihr Geschlecht - zeigt ihre Entschlossenheit."

Der bescheidene familiäre Hintergrund der 18 Jahre alten Athletin und ihr Sieg sollten den anderen Sportlern bei der Leichtathletik-WM in Berlin als Inspiration dienen. Glückwünsche kamen auch von ihrer Universität in der Hauptstadt Pretoria, wo sie gerade ihr Studium der Sportwissenschaften begonnen hat. Der amtierende Kanzler Chris de Beer betonte: "Semenya ist ein Beispiel für jemanden, der aus den von der Uni geschaffenen Möglichkeiten das Beste herausgeholt hat, um als Sportsfrau zu brillieren." Sie habe nicht nur ihre Universität stolz gemacht, sondern diene auch anderen Studenten als Vorbild.

Am Kap hatten sich in den Stolz über Semenyas WM-Titel auch Ärger und Empörung über den Geschlechts-Test gemischt, dem sie sich unterziehen muss. Im nationalen Rundfunk wurde er kontrovers diskutiert. Dort wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht neidische Wettbewerber Semenyas Weltjahresbestzeit madig machen wollten. Sowohl die Familie als auch Freunde der Athletin waren sich jedoch einig: Semenya habe zwar schon immer männlicher ausgesehen, was sie aber noch lange nicht zum Mann mache. „Sie rief mich später an und sagte mir, dass sie sie dort für einen Mann halten“, sagte Casters Großmutter Maphuti Sekgala (80) der Zeitung „The Times“ und meinte: „Was kann ich machen, wenn man sie als Mann bezeichnet, obwohl sie keiner ist? Gott hat sie so gemacht!“

Scharf verurteilte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Südafrika den Wirbel um das Geschlecht von 800-m-Weltmeisterin. „Wir verurteilen die Art und Weise, wie sie mit Spekulationen und Anschuldigungen konfrontiert worden ist, ausgerechnet an dem Tag, an dem sie in ihrem ersten großen Wettkampf im Finale läuft“, sagte Gideon Sam. „Die Tatsache, dass sich Caster mit diesen Dingen auseinandersetzen musste, macht ihre Leistung im Finale um so bemerkenswerter“, sagte Gideon Sam, „sie hat ein unglaubliches Talent und kann große Dinge leisten.“

Semenya war vor drei Wochen wie aus dem Nichts kommend die Weltklasse-Zeit von 1:56,72 Minuten gelaufen. Im WM-Finale unterbot sie diese Leistung noch einmal und verwies Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei aus Kenia (1:57,90) und Jennifer Meadows aus Großbritannien (1:57,93) auf die weiteren Medaillenränge.

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