Leichtathletik WM
Große Freude bei Kleinert - Enttäuschung bei Höhne

Freud und Leid liegen im Sport oft nah beieinander. Während sich Kugelstoßerin Nadine Kleinert bei der Leichtathletik-WM in Osaka über Bronze freuen durfte, war Geher Andre Höhne nach einer Kampfrichter-Panne enttäuscht.

Im Tropenklima von Osaka schwitzten Deutschlands Leichtathleten beim WM-Aufakt in einem Wechselbad der Gefühle. Für Erlösung sorgte Kugelstoßerin Nadine Kleinert, die im fünften der 47 WM-Finals mit Bronze die erste deutsche Medaille gewann. Zuvor hatten Drama und Skandal um den vom Kampfrichter in die Irre geführten und 200m vor dem Ziel kollabierten Geher Andre Höhne die Emotionen bestimmt und die deutsche Teamleitung nach einer Pannenserie zur Protestnote an die WM-Organisation bewegt.

Die großen Sieger beim Ausklang des ersten WM-Wochenendes vor 45 000 Zuschauern, darunter Kaiser Akihito, der die Titelkämpfe mit 2003 Athleten aus 203 Nationen am Vortag eröffnet hatte, waren Tyson Gay (USA) beim Sieg in 9,85 Sekunden über Jamaikas 100-m-Weltrekordler Asafa Powell, der in 9,96 sensationell nur Dritter war, und Siebenkampf-Queen Carolina Klüft. Die Schwedin steigerte den 18 Jahre alten Europarekord der Russin Larissa Turschinskaja (früher Nikitina/7 007) auf 7 032 Punkte und überschritt zum zweiten Mal die von Jackie Joyner-Kersee (USA/7 291) erstmals erreichte Traumgrenze.

Gay: "Ich wusste immer, dass ich ihn schlagen kann"

Wie ein Blitz war Tyson Gay aus dem Startblock geschossen, rannte unwiderstehlich davon. "Ich wusste immer, dass ich ihn schlagen kann. Asafa war noch nie in Bestform, wenn es drauf ankam", meinte der 24-Jährige und spielte an auf Powells Niederlage bei Olympia (5.). Zuvor hatte Gay, der "ferngesteuert" wird vom Trainer, weil dieser wegen Urkundenfälschung im Gefängnis sitzt, von einer US-Fahne umhüllt eine Ehrenrunde gedreht. Gay hatte sich 2007 in Jahres-Weltbestzeit von 9,84 zum Rivalen von Powell gemausert. In den Vorentscheidungen von Osaka sah er nie wie der spätere Sieger aus, aber schlug im entscheidenden Augenblick mit aller Macht zu.

"Ich bin absolut enttäuscht, heute war ich verkrampft. Mein Fuß hat geschmerzt. Das hat mich irritiert und den Sieg gekostet", meinte Powell. Nach drei Weltrekorden von 9,77 Sekunden wollte er mit seiner ersten Medaille der Karriere endgültig zum schnellsten Mann der Welt avancieren, doch am Ende war er nur die Nummer zwei. Derrick Atkins (Bahamas), ein Cousin zweiten Grades, schnappte ihm in 9,91 das Silber weg.

Klüft siegt und knackt Europarekord

"Carolina ist ein Phänomen. An sie reicht keine heran", meinte bewundernd die EM-Dritte Lilli Schwarzkopf (Paderborn), der nach der Steigerung auf 6 439 Punkte am Ende auf Rang fünf nur 71 Punkte zu Bronze fehlten. Besser als je zuvor war auch Jennifer Oeser (Leverkusen) als Siebte (6 378). Alle zusammen starteten dann mit der seit 2001 im Siebenkampf ungeschlagenen schwedischen Olympiasiegerin, die ihr drittes WM-Gold nach glänzenden 1,95m im Hochsprung gewann, zur Ehrenrunde.

Von der Platzierung her auf einer Ebene mit Lilli Schwarzkopf bewegte sich Kugelstoßerin Petra Lammert, die mit 19,33m Fünfte wurde am Tag nach dem siebten Rang ihres Neubrandenburger Klubkameraden Ralf Bartels (20,45). Damit verlor die EM-Dritte wieder die Vorherrschaft im deutschen Ring an Rivalin Nadine Kleinert, die sich mit 19,77m im fünften Versuch Bronze endgültig gesichert hatte. Gold entriss mit 20,54m im letzten Durchgang noch die neuseeländische 140-Kilo-Athletin Valerie Vili Titelverteidigerin Nadeschda Ostaptschuk aus Weißrussland (20,48).

Höhne die tragische Figur

Kleinert war die Erfolgsfrau - und Andre Höhne die tragische Figur. "Ich bin betrogen worden. Man hat mich zusammen mit einem überrundeten Läufer noch einmal auf die Runde schicken wollen statt ins Stadion. Ich ging 50 bis 60 Meter in die falsche Richtung, bis mir ein Ordner hinterherlief. Doch da waren schon zwei an mir vorbei", schilderte der WM-Vierte von 2005 die tragische Situation. Völlig entkräftet und demoralisiert kämpfte der Berliner weiter, bis ihn 200 m vor dem 20-km-Ziel ein Kollaps von den Beinen riss. Von Helfern gestützt ging er weiter, landete dann irgendwie im Wassergraben und verlor durch den Kälteschock das Bewusstsein.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%