Leichtathletik WM
Hoffen auf deutsche Medaillen im "Glutofen" Osaka

Wenn am Samstag die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Osaka beginnen, werden viele Athleten auf der Jagd nach Titeln und Rekorden mit der Hitze zu kämpfen haben. Der DLV hofft trotzdem auf sechs Medaillen.

Die Sportwelt blickt in den nächsten neun Tagen nach Osaka. Wenn dort am Samstag bei den 11. Leichtathletik-Weltmeisterschaften die ersten Wettbewerbe auf dem Programm stehen, werden die Athleten nicht nur mit der Konkurrenz, sondern auch mit der Hitze in der feucht-heißen Schwüle der Millionenstadt zu kämpfen haben. Auch das Thema Doping wird im Kampf um die 47 WM-Titel wieder besonders heiß diskutiert werden.

Ähnlich wie 2005 in Helsinki werden die USA (14 Gold) und Russland (7) fast die Hälfte der Titel und ein Drittel der Medaillen gewinnen. Das deutsche Team will die Bilanz von 2005 (1-1-3) toppen und laut Cheftrainer Jürgen Mallow "mindestens sechs Medaillen" gewinnen. Im 60-köpfigen Team ist Europarekordlerin Christina Obergföll (Offenburg/70,20 m) die international größte WM-Favoritin, weil sie den Speer in sieben ihrer neun Wettkämpfe weiter warf als jede andere. Und Diskuswerferin Franka Dietzsch (Neubrandenburg) ist eine erneut aussichtsreiche Titelverteidigerin.

"Von Osaka - neue Weltrekorde" lautet das fragwürdige Motto, das Japans WM-Macher den 45 Mill. Dollar teuren Titelkämpfen in einer Zeit gegeben haben, in der die Sportart versucht, wegzukommen vom Rekordstreben. "Ich sehe in dem Motto ein Problem, wenn es so gemeint ist, dass sich die Leichtathletik über neue Weltrekorde definiert und nicht über die Dynamik des Wettkampfes", sagt Clemens Prokop, der als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für seine Sportart eine "Überlebensfrage" darin sieht, sich mit ihren Idealen glaubwürdig darzustellen.

203 Länder nehmen teil

Die ersten Rekorde hatte Osaka in der Tat bereits vor dem Auftakt parat. Nur wenn das endgültige Meldeergebnis die Zahlen bestätigt, werden sowohl der Teilnehmerrekord durch 1981 Athleten (bisher 1 882 in Athen 1997) als auch durch 203 Länder (1999 in Sevilla 201) gebrochen. Zugleich wäre dies dann der größte Völkerwettstreit der Sportgeschichte, denn mehr Nationen waren noch nie vereint. Der Weltverband Iaaf hat 212 Mitgliedsländer, mehr als Fußball-Weltverband (Fifa/208) oder das Internationale Olympische Komitee (IOC/205).

Weltrekorde liegen - im wahrsten Sinne des Wortes - im 50 000 Zuschauer fassenden Nagai-Stadion in der Luft. 100 000 Dollar Prämie aus der Sponsoren-Schatulle des Weltverbandes Iaaf könnte Russlands Stabhochsprung-Star Jelena Issinbajewa wie 2005 in Helsinki kassieren, wenn sie ihre zwei Jahre alte Bestmarke (5,01m) endlich steigert. "Auch Christina kann Weltrekord werfen", sagt Europameisterin Steffi Nerius (Leverkusen) über Kollegin Obergföll und die Marke der verletzt fehlenden Kubanerin Osleidys Menendez (71,70).

Erstes Glanzlicht am Sonntag

Auch im erwarteten 100-m-Duell zwischen zwei Athleten, die viele Vorschusslorbeeren erhalten, obwohl sie noch nie eine Medaillen gewannen, erhoffen viele eine neue Bestmarke. Asafa Powell (Jamaika), der den Rekord von 9,77 schon dreimal lief, und Amerikas auf 9,84 verbesserter Weltranglisten-Spitzenreiter Tyson Gay könnten schon am Sonntag das erste Glanzlicht in Osaka setzen. Ohne Weltrekord sind alle Siege 60 000 Dollar wert, Silber 30 000 und Bronze 20 000.

Nur wenige der Athleten tummelten sich am Mittwoch bereits in Osaka, denn die meisten bereiten sich in klimatisch günstigeren Regionen Japans auf den Ernstfall vor. Wie die Deutschen, die im zwei Flugstunden entfernten Shibetsu auf der Nordinsel Hokkaido und nahe der Olympiastadt Sapporo (Winterspiele 1972) bei Temperaturen um 25 Grad die zeitliche Anpassung vollziehen und zwei Tage vor dem Wettkampf ins heiße Osaka jetten. Eiswesten sind im Reisegepäck, damit der Körper durch zu starke Erhitzung nicht zu viel Substanz verliert.

Wie viele Medaillen sie mit in die Heimat nehmen, muss sich zeigen. Klar ist nur, was Klaus Wowereit mitbringt. Berlins Bürgermeister nimmt zwei Jahre vor den Titelkämpfen in der deutschen Hauptstadt bei der Schlussfeier die Fahne des Weltverbandes Iaaf in Empfang.

© SID

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