Leichtathletik-WM in Peking
Marathon mit Maske

Die Leichtathletik-WM ist gestartet. Doch Athleten brauchen frische Luft, um Höchstleistungen abzurufen. Die gibt es in Peking nicht – die Stadt ist smogverpestet. Zum Start steht die Frage im Raum: Ist das noch gesund?
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DüsseldorfWang Anshuns Gesicht ist frei von Falten, wenn er über die anstehende große Herausforderung für seine Stadt spricht. An diesem Samstag hat die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking begonnen – in „seinem“ Peking, wie Wang Anshun gern betont.

Er ist der Bürgermeister der Millionenmetropole. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte im Vorfeld alles getan, um sein Event zu pushen: Man wolle „die Standards für künftige Meisterschaften“ zu setzen, so der Verband auf seiner Website. Worte, die an Superlative rund um die olympischen Sommerspiele 2008 erinnern. Und noch größer: Möglicherweise werde die Welt die größte WM seit dem Bestehen der Wettkämpfe erleben. Alles Dinge, die das Spektakel umwerben sollen.

Wang Anshun bleibt ruhig, denn seine Organisatoren bleiben es auch. Mit großen Sportevents kennen die sich mittlerweile aus. Vor sieben Jahren richteten sie die Olympischen Sommerspiele aus. Dafür wurde das „Vogelnest“ gebaut – das Olympiastadion, eine hochmoderne Leichtathletik-Arena mitten in der Metropole.

Greenpeace-Studie rügt Peking

Das Problem ist nicht die Organisation, das Problem ist die Stadt Peking. Sie ist der Grund, warum die demonstrative Gelassenheit Wang Anshuns erscheint wie eine Kopie der Blatter’schen Unverzagtheit erscheint. Denn in Peking herrscht dicke Luft, buchstäblich. Der größte Feind des Sports, es ist wie 2008 der Smog. Die Konzentration von gefährlichen Feinstaubpartikeln ist trotz leichter Verbesserungen in der ersten Jahreshälfte noch immer zu hoch. Die aktuellen Messwerte liegen um ein fünffaches über dem Wert, den die Weltgesundheitsorganisation WHO als unbedenklich einstuft. Diese Zahlen veröffentlichte Greenpeace vor kurzem in einer Studie.

Peking ist mit seiner Luftverschmutzung aber längst nicht die einzige Stadt des Landes mit einem Smog-Problem. Wie die Staatsagentur Xinhua meldet, leiden mehr als hundert Städte in 20 Provinzen unter den gefährlichen Partikeln in der Luft. Auch die Metropole Schanghai hatte zuletzt Smogalarm ausgerufen.

Das Problem mit der Luftverschmutzung könnte für die Zentralregierung nicht nur den befürchteten Image-Schaden zur Folge haben, sondern auch massive Investitionen erfordern. Nach Angaben chinesischer Staatsmedien beziffert die Akademie für Umweltplanung das Volumen der Ausgaben mit 1,75 Billionen Yuan (rund 210 Milliarden Euro). Mehr als ein Drittel davon (rund 640 Milliarden Yuan) müssten in die Industrie fließen – vor allem sollte die Autobranche gefördert werden, damit umweltfreundlichere Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein.

Für die Leichtathletik-WM und nicht zuletzt auch Wang Anshun wäre es ein Desaster, sollte die Hauptstadt in der kommenden Wochen von ähnlichem Smog geplagt werden, wie etwa beim Peking Marathon im vergangenen Oktober.

25.000 Athleten gingen damals an den Start und die Bilder um die Welt – unschöne PR: Einige Sportler trugen während der 42,195 Kilometer Gesichtsmasken zum Schutz vor der Luftverschmutzung, wiederum andere brachen das Rennen mit Atemproblemen vorzeitig ab.

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