Leichtathletik WM
Mikitenko muss WM absagen

Die deutsche Gold-Hoffnung Irina Mikitenko hat ihren Marathonstart bei der Leichtathletik-WM abgesagt. Die zweimalige Gewinnerin des London-Marathons gab familiäre Gründe an.

Schock-Nachricht für Deutschlands Leichtathleten eine Woche vor Beginn der Heim-WM in Berlin: Die größte Goldfavoritin, Marathonläuferin Irina Mikitenko, sagte ihren Start nach einem Schicksalsschlag ab. Für sie rückt die als Ersatzläuferin nominierte Europameisterin Ulrike Maisch (Rostock) ins Team, das sich durch den Ausfall von Hürdenläufer Thomas Goller (Wattenscheid) wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade auf 91 Athleten reduzierte. Außerdem bangt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) um den Leipziger Kugelstoßer Peter Sack.

"Die Absage von Irina Mikitenko schwächt unser Team erheblich. Wir bleiben aber optimistisch", sagte ein sichtlich betroffener DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow beim Sportfest in Cottbus. Mikitenkos Vater war vor zwei Wochen verstorben. "Irina hat es danach nicht geschafft, im Höhentrainingslager in St. Moritz in WM-Form zu kommen." Der Familienbetrieb der zweimaligen London-Marathon-Siegerin, die in 2:22:11 Stunden die Weltrangliste anführt, ist ins Stocken geraten.

Auch in Peking fehlte Mikitenko

Kein deutscher Leichtathlet hatte so gute Goldchancen wie die 36-Jährige, die ihren 37. Geburtstag im WM-Rennen am 23. August mit der Goldmedaille krönen und damit auch die Enttäuschung des Vorjahres verarbeiten wollte. 2008 musste die Favoritin auf Olympiagold kurz vor den Sommerspielen in Peking verletzungsbedingt absagen.

Vier 42,195-km-Rennen hat die in Kasachstan geborene und 1996 nach Deutschland gekommene Mikitenko in ihrer steilen Marathon-Karriere erst bestritten und dabei schon so ziemlich alles erreicht. Drei Siege, ein zweiter Platz, der Gewinn der World-Marathon-Majors, der mit 500 000 Dollar dotierten Champions League des Marathons, sowie den deutschen Rekord von 2:19:19 Stunden.

Zwei Siege beim London-Marathon

In Berlin hätte die "Marathon-Königin" ihre Erfolge vergolden können. "Klar träume ich von WM-Gold an meinem Geburtstag", sagte sie immer wieder, erklärte aber auch: "Entscheidend ist, bis zum Schluss verletzungsfrei zu bleiben." Zudem hatte sie noch nie schlechte Erfahrungen an der Spree gemacht: "Berlin ist meine Glücksstadt." Nun kam der Schicksalsschlag dazwischen.

1 999 war "Miki", wie sie in der Laufszene genannt wird, auf der Bahn WM-Vierte über 5000m. Doch in die absolute Weltklasse stieg sie erst mit ihrem Wechsel zum Marathon im Herbst 2007 auf, als sie bei der Premiere über 42,195km in Berlin auf Anhieb Rang zwei belegte. Es folgten 2008 Siege in London und Berlin sowie 2009 erneut in London. In der aktuellen Wertung der World Marathon Majors kann sie unabhängig vom WM-Verzicht erneut auf eine halbe Million Euro hoffen.

© SID

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