Leichtathletik WM
Obergföll und Nerius auf dem Treppchen

Die Speerwerferinnen Christina Obergföll und Steffi Nerius haben in Osaka die Medaillen Nummer fünf und sechs für den DLV geholt. Hinter Siegerin Barbora Spotakova aus Tschechien erreichte das Duo Silber und Bronze.

Christina Obergföll hat in Osaka den ganz großen Wurf verpasst und muss sich bei der Weltmeisterschaft mit der Silbermedaille zufrieden geben. Die Speerwurf-Europameisterin aus Offenburg belegte im Finale unter den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit 66,46m wie im Jahr 2005 "nur" den zweiten Platz. Gold ging mit 67,07m an die Tschechin Barbora Spotakova. Bronze wie 2005 in Helsinki gewann die Europameisterin und Olympiazweite Steffi Nerius aus Leverkusen mit 64,42m. Linda Stahl aus Leverkusen kam auf 61,03m und belegte Platz acht.

"Silberner Schock" für Obergföll

Obergföll war nach dem Wettkampf dem Weinen nahe und lachte trotzdem. Sie nahm die Deutschland-Fahne in die Hand, obwohl ihr nicht danach war. Der silberne Schock saß tief in der Favoritin, für die es undenkbar gewesen war, bei dieser WM zu verlieren. Doch ausgerechnet bei ihr riss die goldene Serie der deutschen Werferinnen. WM-Silber, das sie 2005 in Helsinki noch triumphal mit Europarekord gefeiert hatte, empfand sie diesmal als Schlag ins Kontor.

"Ich habe die zwei schlimmsten Tage meines Lebens hinter mir. Wenn man ein ganzes Jahr ungeschlagen ist, und so schlecht wirft in der Qualifikation, dann kommen Zweifel", offenbarte die neun Tage zuvor in Japan 26 Jahre alt gewordene Obergföll Einblick ins Seelenleben. Wie es in ihr aussehen musste, das war schon deutlich geworden, als sie im verzweifelten Kampf um die Spitze zweimal deutlich zu kurze Versuche wie Siegeswürfe bejubelte: Die Nerven brauchten ein Ventil.

Konter zu kurz

"Dass ich den zweiten Versuch weiter empfand, das hat mir so ein bisschen den Zahn gezogen", sagte die 2007 in allen neun Wettkämpfen siegreiche Europarekordlerin (70,20m), nachdem die Niederlage gegen die letztjährige tschechische EM-Zweite Barbora Spotakova perfekt war, die gleich zum Auftakt mit 66,40m einen kleinen Schocker gelandet und dann die Führung auf 67,07m ausgebaut hatte. Die Konter gerieten mit 65,26m im zweiten und 66,46m im letzten Versuch zu kurz.

Vergeblich hatte Trainer Werner Daniels vor dem letzten Wurf gehofft, dass sein Schützling noch einen raushaut: "Ich hoffe, sie hat den Kampf noch nicht aufgegeben", sagte der Coach, der dann sah, dass sie die Herausforderung annahm. Sie tat es, aber es sollte an diesem Tag nicht reichen.

Barbara Spotakova hatte ihre Chance geahnt, als sie spürte, welche Probleme die Frau mit dem schnellen Anlauf auf dem superschnellen Belag in der Qualifikation hatte. Die ganze Koordination schien gestört, weil sie mit den Beinen schon immer weiter war als mit dem Oberkörper. "Wir wollen es den Deutschen zeigen", kündigte Spotakova nach dem souveränen Sieg von Teamkameradin Nikola Brejchova in Runde eins selbstbewusst an und behielt Recht.

Auch Steffi Nerius, mit der sich Obergföll umarmte, als das Gold verloren war, war süß-sauer zu Mute. Gemeinsam mit der wie 2005 in Helsinki beim Triumph der verletzten Weltrekordlerin Osleidys Menendez (Kuba) auf dem Bronzerang gelandeten Europameisterin nahm sie nach Minuten des Zögerns die Deutschland-Fahne und trug sie im Laufschritt über den Rasen.

Nerius: "Ich bin froh, dass es vorbei ist"

"Ich habe gedacht, in meinem Alter muss ich nicht mehr um den Endkampf zittern", meinte die erst im dritten Versuch (64,42) ins Finale eingezogene Leverkusenerin. Sie brachte das Kunststück fertig, seit der EM 2002 in München die sechste Medaille in Serie gewonnen zu haben. Doch auch sie hatte heimlich auf Gold gehofft. "Ich freue mich über diese Medaille, aber ich bin froh, dass es vorbei ist", war ihr Kommentar.

© SID

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