Leichtathletik WM
Reif überzeugt, Obergföll zittert sich ins Finale

Während Weitspringer Christian Reif mit persönlicher Bestleistung von 8,19m den Einzug ins WM-Finale schaffte, musste Christina Obergföll lange zittern. Die Speerwerferin blieb in der "Quali" unter der Mindestweite.

Christina Obergföll musste zittern, ehe für Deutschlands Goldhoffnung der Einzug ins Speerwurf-Finale am Freitag (20.40/13.40 Uhr Mesz) feststand. Mit im zweiten Versuch erzielten 60,77m verfehlte die Europarekordlerin als Dritte ihrer Qualifikationsgruppe die geforderten 61,00m um 23 Zentimeter. Erst eine Stunde später stand fest, dass sie als Neunte beider Gruppen ins Finale eingezogen war, das auch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Nagai-Stadion sehen will. "Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass mir sowas passiert. Aber Freitag werden die Karten neu gemischt", meinte die WM-Zweite von Helsinki 2005 entschlossen.

Nerius und Stahl ohne Probleme

Problemlos kamen Europameisterin Steffi Nerius mit 61,89m als Sechste und sogar ihre Leverkusener Klubkameradin Linda Stahl mit Steigerung ihres deutschen U23-Rekordes um 63 Zentimeter auf 62,80m als Viertbeste ins Finale. Ganz groß trumpfte Christian Reif (Ludwigshafen) auf, der als viertbester Weitspringer seine Bestmarke um elf Zentimeter auf 8,19m steigerte und im Finale am Donnerstag in die Nähe der Medaillen springen will. Nur als Vorlauffünfter in 13,56 Sekunden erreichte dagegen über 110m Hürden der EM-Zweite Thomas Blaschek (Leipzig) den Zwischenlauf am Donnerstag. Ohne Ausfall blieb das deutsche Team, da über 200m auch Meisterin Cathleen Tschirch (LG Weserbergland) als Vierte in 23,30 im Zwischenlauf am Abend steht.

"Ich habe keine Erklärung, warum ich alle Würfe in den Boden rammte. Das Warten war so schlimm, weil ich bei Olympia in Athen in der Qualifikation mit 60,41m ausgeschieden war und vorher alle gesagt hatten, es würde reichen", erklärte Christina Obergföll, die die erste Runde unterschätzt hatte. "61 Meter habe ich dieses Jahr mit jedem Wurf übertroffen", hatte sie zuvor gesagt. Denn in allen neun Wettkämpfen kam sie über 65m und warf in sieben weiter als ihre weltweit größte Rivalin. Mit Blick auf das Finale versprach sie: "Am Freitag werden die Karten neu gemischt. Ich bin so heiß, das kann sich kein Mensch vorstellen."

Die eine Woche zuvor im Trainingslager Shibetsu 26 Jahre alt gewordene Offenburgerin hatte im ersten Versuch (59,92) den Abwurf nicht richtig erwischt, im zweiten (60,77) "war ich zu ruhig" und im dritten (60,39) "hatte ich schon den Flattermann." In ihrer Gruppe erzielte Nicola Brejchova mit 64,29m die größte Weite aller und die EM-Zweite Barbora Spotakova (ebenfalls Tschechien/63,77), Nummer zwei der Weltrangliste, lieferte die vielleicht entscheidende Erklärung: "Der schnelle Anlaufbelag kommt langsamen Werferinnen wie Brejchova und Nerius entgegen. Schnelle Athletinnen wie Obergföll und ich hüpfen zu sehr darauf, können ihre Technik nicht richtig umsetzen."

Steffi Nerius meinte: "Ich habe mich gut eingeworfen, aber der Wettkampf war nicht toll. Ich war mit dem Kopf schon beim Finale, nachdem man mich ständig auf Medaillen und Weiten ansprach. Aber Freitag wird es weiter gehen." Linda Stahl: "Den Rekord hatte ich nicht erwartet. Jetzt will ich unter die ersten Acht."

Reif trumpft in der "Quali" groß auf

Im Weitsprung trumpfte Christian Reif unerwartet groß auf, obwohl er wegen Problemen am linken Beugeransatz zwei Spritzen benötigt hatte. Der 22 Jahre alte Sportstudent, der die deutschen Rivalen bei den nationalen Titelkämpen in Erfurt mit Bestleistung von 8,08m im Regen deklassiert hatte, und nur über die B-Norm nominiert worden war, meinte vor dem Kampf um die Medaillen: "Jetzt kann im Finale nichts mehr passieren. Ich habe schon mehr gezeigt, als viele mir zugetraut hätten. Deutschland ist wieder reif für den Weitsprung." Sieger der Qualifikation war der Südafrikaner Godfrey Khotso Mokoena mit 8,28m vor US-Titelverteidiger Dwight Phillips (8,22), Favorit bleibt Irving Saladino (Panama/8,13).

© SID

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