Leichtathletik WM
Semenya darf Berlin-Gold behalten

Laut Meldungen aus Südafrika verzichtet der Leichtathletik-Weltverband darauf, Weltmeisterin Caster Semenya ihre Goldmedaille abzuerkennen. Ihr sei kein Fehlverhalten vorzuwerfen.

Im aufsehenerregenden Fall der 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya hat das südafrikanische Sportministerium mit einem überraschenden Vorstoß am Donnerstag die wochenlange Diskussion um eine mögliche Titelaberkennung beendet. Nach Angaben der Behörde haben sich die südafrikanische Regierung und Semenyas Anwälte mit dem Leichtathletik-Weltverband Iaaf darauf geeinigt, dass die Läuferin ihren WM-Titel von Berlin samt Prämie behalten darf. Zudem sei über die Ergebnisse der Untersuchungen von Semenya wahrem Geschlecht Stillschweigen vereinbart worden.

Während das Ministerium von "völligem Einvernehmen" zwischen allen Beteiligten sprach, wollte die Iaaf die Einigung zunächst allerdings nicht bestätigen. Noch am Mittwochabend hatte der Verband mitgeteilt, dass die Tests zur Bestimmung des Geschlechts der 18-Jährigen nicht abgeschlossen seien und es beim Meeting des Iaaf-Council am Freitag in Monaco keine abschließende Bewertung des Falls geben werde. "Darüber hinaus wird es bis auf weiteres keinen Kommentar zu diesem Thema geben", hieß es auf der Iaaf-Homepage.

Dem entgegen teilte Südafrikas Sportministerium mit, dass der Athletin kein Fehlverhalten vorzuwerfen sei und sie die Goldmedaille und das Preisgeld für den Titel damit behalten dürfe. "Außerdem sind wir uns mit der Iaaf einig, dass alle medizinischen Untersuchungen in diesem Zusammenhang vertraulich behandelt und als Angelegenheit zwischen Arzt und Patient gesehen werden", hieß es in dem Statement.

Tests der Iaaf sorgten in Südafrika für Entrüstung

Die Iaaf hatte die Tests schon vor den Weltmeisterschaften im August in Berlin angeordnet, nachdem sich Semenyas Zeiten zuvor außerordentlich schnell verbessert hatten und Diskussionen über ihre ungewöhnlich starke Muskulatur aufgekommen waren. In Südafrika hatte dies für Entrüstung gesorgt. Der Iaaf wurde eine Verletzung der Privatsphäre der Sportlerin vorgeworfen. Eine australische Zeitung hatte im September berichtet, bei Semenya handle es sich um einen Zwitter.

Die Läuferin, die vor Monaten noch völlig unbekannt war, hatte sich im 800-m-Finale von Berlin überlegen in 1:55,45 Minuten vor Janeth Jepkosgei aus Kenia (1:57,90) durchgesetzt. Wegen des skandalösen Umgangs mit dem Geschlechtstest hatte Südafrikas Olympischer Sportbund Sascoc Anfang November den kompletten Leichtathletikverband ASA suspendiert.

Die Iaaf teilte in diesem Zusammenhang mit, sie habe den Rücktritt des bisherigen ASA-Präsidenten Leonard Chuene aus dem Iaaf-Council akzeptiert und eine Untersuchung des Falls angeordnet. Südafrikas Olympia-Verband hatte dem ASA-Präsidium um Chuene vorgeworfen, die Leichtathletik und den gesamten Sport des Landes in Misskredit gebracht zu haben.

© SID

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