Leichtathletik WM
Speerwerferinnen holen Silber und Bronze

Unter den Augen von Angela Merkel holten Christina Obergföll Silber und Steffi Nerius Bronze. Trotz Merkel als Glücksbringer verpasste Obergföll den erhofften Griff nach Gold bei der Leichtathletik-WM in Osaka.

Der Besuch von Kanzlerin Angela Merkel bei der Leichtathletik-WM in Osaka sollte für die deutschen Speerwerferinnen Christina Obergföll und Steffi Nerius als Ansporn dienen. Aber trotz des Daumendrückens von Angela Merkel riss bei Christina Obergfölls Griff nach Speerwurf-Gold die Siegesserie der deutschen Werferinnen in Osaka. Flankiert von den Weltmeisterinnen Franka Dietzsch (Diskus) und Betty Heidler (Hammer) erlebte die Kanzlerin im Nagaistadion, wie die 66,46m im letzten Versuch für die Europarekordlerin wie 2005 in Helsinki nur zu Silber reichten, das diesmal eine Niederlage war. Bronze wie vor zwei Jahren gewann auch Steffi Nerius (Leverkusen), die ihre sechste Medaille binnen sechs Jahren holte. Es war gleichzeitig die sechste für das deutsche Team, das die WM-Bilanz von 2005 bereits übertraf.

Vor 25 000 Zuschauern im Nagai-Stadion setzten die Amerikaner ihre Siegesserie mit Gold Nummer sieben und acht durch Glanzleistungen zweier Titelverteidiger fort. Jeweils mit der besten Zeit seit 1999 triumphierten Olympiasieger Jeremy Wariner beim dreifachen US-Erfolg über 400m in 43,45 Sekunden und Allyson Felix in famosen 21,81 über 200m. Der 23-Jährige ist nun allein Dritter der "ewigen" Bestenliste, die Michael Johnson seit dem Weltrekord von 43,18 beim WM-Sieg 1999 in Sevilla anführt.

Chinas "Superstar" holt Gold"

Über 110m Hürden eroberte Chinas Star Xiang Liu nach Olympiasieg und Weltrekord in Jahres-Weltbestzeit von 12,95 Sekunden auch den letzten Titel, der ihm noch fehlte. Im Dreisprung verhinderte Yargelis Savigne mit Kubas erstem Osaka-Gold und dem weitesten Satz des Jahres in der Welt (15,28m) das Sprung-Double von Russlands Weitsprung-Weltmeisterin Tatjana Lebedewa (15,07). Am Morgen bereits hatte Russlands EM-Zweite Olga Kaniskina im 20-km-Gehen in 1:30:09 Stunden das vierte Gold für Russland gewonnen. Achte wurde Sabine Zimmer, 14. ihre Postdamer Klubkameradin Melanie Seeger.

Angela Merkel, die nach ihrer China-Japan-Reise eine Stippvisite nach Osaka machte, hatte vor dem Speer-Finale 30 Mitglieder des deutschen WM-Teams besucht und gesagt: "Ich habe Hoffnung, aber mit einem Tipp bin ich vorsichtig. Ich wünsche, dass sich bei unseren Sportlerinnen Kraft und Nerven kombinieren und werde ganz fest die Daumen drücken."

Doch es half alles nichts. Bei Christina Obergföll, die schon in der Qualifikation nur mit Mühe das Finale erreicht hatte, war nichts mehr zu spüren von der Leichtigkeit, mit der sie neun Saisonwettkämpfe gewonnen und siebenmal weiter geworfen hatte als jede andere in der Welt. Die EM-Zweite Barbora Spotakova (Tschechien) legte 66,40m vor, schob 67,07m nach, doch zweimal jubelte der deutsche Star zu früh über vermeintliche Konter. Auch der letzte von 66,46m geriet 61 Zentimeter zu kurz.

"Ich habe die zwei schlimmsten Tage meines Lebens hinter mir. Wenn man ein ganzes Jahr ungeschlagen ist, und so schlecht wirft in der Qualifikation, dann kommen Zweifel", offenbarte die neun Tage zuvor in Japan 26 Jahre alt gewordene Offenburgerin Einblick ins Seelenleben. Wie es in ihr aussehen musste, das war schon deutlich geworden, als sie im verzweifelten Kampf um die Spitze zweimal deutlich zu kurze Versuche bejubelte. Sie gab dann zu: "Dass ich den zweiten Versuch weiter empfand, das hat mir so ein bisschen den Zahn gezogen."

Auch Steffi Nerius, mit der sie sich umarmte, als das Gold verloren war, war süß-sauer zu Mute. Gemeinsam mit der wie 2005 in Helsinki beim Triumph der momentan verletzten Weltrekordlerin Osleidys Menendez (Kuba) auf dem Bronzerang gelandeten Europameisterin nahm sie nach Minuten des Zögerns die Deutschland-Fahne und trug sie im Laufschritt über den Rasen.

"Ich habe gedacht, in meinem Alter muss ich nicht mehr um den Endkampf zittern", meinte die erst im dritten Versuch (64,42) ins Finale eingezogene Leverkusenerin. Auch sie hatte heimlich auf Gold gehofft. "Ich freue mich über diese Medaille, aber ich bin froh, dass es vorbei ist", war ihr Kommentar."

Andre Niklaus, WM-Vierter von Helsinki 2005, lag bei Halbzeit mit 4 186 Punkten an neunter Postion und hatte mit elf Punkten Rückstand auf die Zwischenmarke seiner Bestleistung (8 340) keine Chancen mehr auf eine Medaille. Auch der Hallenser Norman Müller nicht, der mit 4 310 Zählern als Sechster bester Deutscher ist und ebenfalls den 8 400 Punkten nahe rückt. 13. war mit 4 131 der Ulmer Arthur Abele.

Obwohl nur Dritter (4 434), ist Olympiasieger und Weltrekordler Roman Sebrle (Tschechien) nach der Verletzung von Titelverteidiger Bryan Clay (USA) und der Fehlstart-Pleite von Götzis-Sieger Andrej Krautschanka (Weißrussland) Favorit auf seinen ersten WM-Titel.

© SID

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