Leichtathletik WM
U20-Weltrekordler Storl stößt sich ins Rampenlicht

U20-Weltrekordler David Storl fasziniert die Altmeister. "Was David bringt, ist toll. Ich sehe es mit großer Freude", sagt Kugelstoß-Olympiasieger Ulf Timmermann.

Ex-Weltrekordler Udo Beyer bemüht Superlative, wenn er von David Storl spricht. Der Potsdamer war zwar 1976 in Montreal schon mit 21 Jahren Kugelstoß-Olympiasieger, doch über die U20-Weltrekorde des noch 18 Jahre alten Ausnahme-Talentes sagt er: "Einfach faszinierend."Ähnlich schwärmt auch Ulf Timmermann, zwölf Jahre nach Beyer 1988 in Seoul Olympiasieger, von dem jungen Chemnitzer.

"Was David bringt, ist toll. Ich sehe es mit großer Freude", sagt Timmermann, der in seiner Karriere zweimal Weltrekord stieß und mit seinen 23,06m nach 21 Jahren noch Europarekordler ist. Timmermann beförderte die Männer-Kugel mit 19 Jahren auf 19,00 m, Beyer auf 20,20. Storl, am Samstag im serbischen Novi Sad haushoher Favorit bei der U20-EM, sicherte sich als 18-Jähriger mit 20,43m das Ticket für die WM in Berlin (15. bis 23. August). Das 6,00 Kilo schwere Wettkampfgerät seiner Altersklasse "U20" stieß er auf 22,73m - 77 Zentimeter weiter als der weltweit zweitbeste der unter 20-Jährigen.

"Jenseits von Gut und Böse"

"Seine Leistungen sind jenseits von Gut und Böse", sagt Beyer über den jungen Sachsen, der schon U18-Weltmeister war und amtierender U20-Weltmeister ist. Vor allem begeistern Beyer Storls Athletik und Schnelligkeit.

"Ich bin fasziniert von diesem Bengel. Er ist ein Athlet alter Schule. Starallüren und das ganze Rumgehopse sind ihm fremd", sagt Beyer, der den Weltrekord über 22,15 (1978) und 22,22 (1983) auf 22,64 (1986) steigerte.

Udo Beyer hat Storl schon im Wettkampf erlebt, Ulf Timmermann noch nicht: "Ich würde ihn gern mal kennenlernen." Storl würde das gefallen. "An Ulf Timmermanns Technik orientiere ich mich", sagt der 18-Jährige, der ähnlichen Ehrgeiz wie einst die beiden Altmeister entwickelt: "Ich werde mich nicht auf meinen Leistungen ausruhen."

"Ich will zu Olympia 2012"

Zwar mag er seine angestrebten Weiten nicht verraten, doch an der Stoßrichtung lässt er keinen Zweifel: "Ich will zu Olympia 2012 und mich in der Weltspitze etablieren." Doch erst einmal gilt es bei der Heim-WM zu lernen. "Berlin ist mein Traum", sagt der 115 Kilo schwere 1,99-Meter-Mann.

So auffallend sein Körper wirkt, so zurückhaltend ist er im Gespräch. "Ich bin kein großer Redner, ich lasse lieber Leistung sprechen", sagt der Schützling von Trainer Sven Lang.

Die moralische Unterstützung liefert der eigene Fanclub mit Opa Werner Lietzow an der Spitze. "Er ist überall dabei, wo er mit dem Auto hinkommt", erzählt Storl, der gerade die 12. Klasse des Chemnitzer Sportgymnasiums besucht und 2010 sein Abitur machen will.

Die Etablierten um Europameister Ralf Bartels (Neubrandenburg) spüren schon den Atem des Jungspunds im Nacken. "Für sie ist es bestimmt nicht leicht, dass da jetzt ein ganz junger Athlet von hinten kommt", sagt Storl, der deutlich weiter stößt als Bartels im gleichen Alter mit der Männerkugel (18,35).

Dabei hat der Newcomer gerade im Kraftbereich Nachholbedarf. Im Bankdrücken schafft er nur 160 kg, die Asse bringen weit über 200kg in die Höhe. "Da liegen meine größten Reserven", sagt Storl, der zur Bundespolizei will. "Beim Übergang von der Schule in den Beruf wird sich seine sportliche Zukunft entscheiden", glaubt Udo Beyer: "Wenn das gelingt, traue ich ihm in zwei, drei Jahren 22 Meter zu."

© SID

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