Leichtathletik WM
Verband wird über den Fall Harting beraten

Nach seinem verbalen Angriff auf den Doping-Opfer-Hilfe-Verein (Dohv) wird der DLV über mögliche Konsequenzen für Diskuswerfer Robert Harting beraten.

Diskus-Provokateur Robert Harting hat mit einer geschmacklosen Entgleisung für einen handfesten Skandal gesorgt und muss nach seinem neuerlichen Fehltritt mit Konsequenzen rechnen. Nach seiner souverän gemeisterten Final-Qualifikation schoss die deutsche Medaillenhoffnung Giftpfeile gegen eine Aktion der deutschen Dopingopfer. "Wenn der Diskus aufkommt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben - damit sie wirklich nichts mehr sehen. Die Leute, die die Sachen vor den Kopf bekommen, sollen sich Gedanken machen", sagte Harting nach seinem geglückten Wurf auf 66,81m.

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) war nach diesen Aussagen erschüttert. "Ich finde diese Aussagen unerträglich", sagte Clemens Prokop dem Sport-Informations-Dienst (SID). Prokop kündigte an, intern über diesen Vorgang beraten zu wollen. Er wollte sich aber nicht dazu äußern, welche Konsequenzen Harting drohen.

Entrüstet reagierten auch die Dopingopfer. "Das ist ein offizieller Angriff gegen Geschädigte", sagte Andreas Krieger, selbst Dopingopfer: "Wenn so die neuen Helden im deutschen Sport aussehen, ist es um den deutschen Sport schlecht bestellt." Die Opfer hatten Hartings Trainer Werner Goldmann wegen dessen Verstrickungen ins Dopingsystem der DDR angegriffen.

Anspannung nach dem Wettkampf der Grund für "unakzeptable Äußerungen"

In einer Erklärung, die der DLV über seinen "Vize" Eike Emrich verbreitete, "bedauerte" Robert Harting "seine Aussagen gegenüber Dopingopfern" und bat um Nachsicht, "dass die Anspannung des Qualifikations-Wettkampfes nachwirkte und zu unakzeptablen Äußerungen geführt hatte."

"Robert Harting ist gegen jede Form des Dopings", hieß es in dem DLV-Text weiter, er werde sich "nach seinem Wettkampf in der DLV-Pressekonferenz am Donnerstag, 20. August, persönlich äußern und danach wird der Deutsche Leichtathletik-Verband die Problematik mit ihm noch einmal diskutieren."

Vizeweltmeister Harting zielte auf eine Kampagne der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (Dohv). Diese verteilt vor dem Berliner Olympiastadion 25 000 Schutzbrillen, um symbolisch gegen die ihrer Meinung nach zu harmlose deutsche Anti-Doping-Politik zu protestieren. Die Papierbrillen verwehren den Durchblick auf einen vom Doping belasteten Sport.

Goldmann ein "Kaiser der Verdrängung"

Die Initiatoren der "Brillen-Kampagne" mit Ines Geipel, Uwe Trömer, Gerd Jacobs und Krieger an der Spitze hatten Harting-Trainer Goldmann zuletzt scharf attackiert. Krieger nannte ihn einen "Kaiser der Verdrängung". Goldmann hatte zunächst seinen Job als Bundestrainer verloren, weil Jacobs erklärte, der Trainer habe ihn zu DDR-Zeiten mit Dopingmitteln versorgt. Mittlerweile ist Goldmann zurück im deutschen Team. "Zu Jacobs sage ich nichts mehr", meinte Harting und stellte verärgert fest: "Die machen alles kaputt."

Schon oft sorgten Hartings Äußerungen für Wirbel. Kurz vor der WM stellte er den Kampf gegen Doping in Frage. "Wo Geld ist, wird gedopt. Eigentlich ist es sinnlos, gegen diese Tatsache anzukämpfen", meinte er. Kurz Zeit später relativierte der einzige Berliner mit Medaillenchancen bei der Heim-WM seine Aussagen: "Es ist offensichtlich, dass ich natürlich nicht für Doping stehe."

Am Wochenende ließ der "Provokateur" dann eine harsche Kritik an der Spitze des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) folgen: "Leute wie unseren Präsidenten Clemens Prokop und Generalsekretär Frank Hensel brauchste eigentlich nicht. Die sind seit über fünf Jahren im Amt, passiert ist aber nichts."

Obwohl verbal entgleist, ist Harting sportlich in der Spur. Im Finale am Mittwoch (20.15 Uhr) ist eine Medaille drin, was er mit der besten Weite in der Qualifikation unterstrich. "Dabei war ich ganz schön nervös. Mir ging der Arsch auf Grundeis." Gold scheint zwar fest an den seit 13 Monaten ungeschlagenen Olympiasieger Gerd Kanter (Estland) vergeben, der mit 66,73m ähnlich überzeugend auftrat wie Harting, doch dahinter ist alles möglich. Deutschlands zweiter Starter Markus Münch (Pinneberg/60,55) schied aus.

© SID

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