Leichtatletik-WM
Funktionäre drängten Semenya Gold auf

XY scheint nicht mehr ungelöst. Der Fall von 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya entwickelt sich bei der Leichtathletik-WM in Berlin zur menschlichen Tragödie.

HB/wd BERLIN. Die 18-Jährige soll nachweislich ein Zwitter mit der Chromosomen-Kombination XY sein - ein sogenannter Hermaphrodit. Das berichtet die Schweizer Zeitung Blick unter Berufung auf einen ehemaligen Trainer, der lange in Südafrika tätig war. "Südafrika hat die Tests bereits im März gemacht. Das Ergebnis ist klar. Semenya hätte bei der WM in Berlin nicht bei den Frauen starten dürfen. Doch ihre Funktionäre haben voll auf die Karte Risiko gesetzt."

Der ungenannte Informant behauptet, Südafrikas deutscher Cheftrainer Ekkart Arbeit sei an der mutmaßlichen Manipulation beteiligt gewesen: "Er hat genau gewusst, was zu tun war, dass Semenya bei ihren bisherigen Wettkämpfen stets durchgekommen ist", sagt er. Ihr Testosteronspiegel werde mit Medikamenten so eingestellt, dass sie bei Doping-Kontrollen nicht als Mann auffalle.

Arbeit, vorletzter Chefcoach der DDR-Leichtathleten mit Wohnsitz in Berlin, bestritt die Vorwürfe: "Alles Quatsch. Das ist frech, wenn man nicht mal den Namen der imaginären Quelle nennt", sagte er der Sportnachrichtenagentur sid. Er werde sich hüten, in irgendeiner Form Aussagen zu machen: "Ich weiß von nichts."

Hermaphroditen haben nicht eindeutige körperliche Geschlechtsmerkmale. Sie sind intersexuell. Das Geschlechtsorgan ist häufig verformt - trotzdem ist die Bestimmung des Geschlechts in den meisten Fällen nicht visuell möglich.

"Warum habt ihr mich nicht in meinem Heimatdorf gelassen?"

Zugleich wurde bekannt, dass die 18-Jährige zuletzt entnervt von den endlosen Spekulationen über ihr Geschlecht fest entschlossen war, die Siegerehrung zu boykottieren und ihre Goldmedaille zu verweigern. Erst in letzter Minute konnte die Läuferin umgestimmt werden. "Sie schluchzte, niemand hätte ihr gesagt, dass sie angeblich kein Mädchen sei", erzählte Leonard Chuene, der Präsident des südafrikanischen Leichtathletikverbandes. "Und sie fragte mich: Warum habt ihr mich hierhergebracht und nicht in meinem Heimatdorf gelassen?"

In ihrer Heimat, die den Sieg der jungen Athletin noch am Mittwoch begeistert gefeiert hatte, bescherte ihr die Kontroverse über ihr Geschlecht Semenya nur einen weiteren Sympathiebonus. Die nicht eben mit Medaillen verwöhnte Nation am Kap steht jedenfalls geschlossen hinter der jungen Südafrikanerin, die gegenwärtig an der Universität von Pretoria Sportwissenschaften studiert. Nicht wenige ihrer Landsleute vermuten hinter dem von der International Association of Athletics Federations (IAAF) angeordneten Geschlechtertest puren Neid auf Semenyas Sieg - und sind entsprechend empört über das Vorgehen des Weltverbandes.

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