Liv Grete Poiree will wieder angreifen
Norweger setzen auf Biathlon-Mütter

Einige Stunden Ruhe hat sich Odd Lirhus vor den am Freitag im österreichischen Hochfilzen beginnenden 40. Biathlon-Weltmeisterschaften gegönnt. Die hatte der 48-jährige Cheftrainer der norwegischen Frauen, 1978 in Hochfilzen erster Weltmeister über 20 km mit dem KK-Gewehr vor dem heutigen deutschen Männer-Bundestrainer Frank Ullrich und Eberhard Rösch (Zinnwald), auch dringend nötig.

HB HOCHFILZEN. Denn seit Saisonbeginn im November kümmert er sich neben seinen Damen im Weltcup-Team auch noch zusätzlich um deren Nachwuchs.

Zum Weltcup-Tross der Skandinavier gehört seit zwei Jahren Emma Poiree. Ihren zweiten Geburtstag am 27. Januar verlebte die Tochter der erfolgreichsten Skijäger des vergangenen Winters, Raphael und Liv Grete Poiree, jedoch bei den Großeltern Oddrun und Knut Skjelbreid im kleinen Dorf Eikelandsfosen an der Atlantik-Küste. Dort musste sie das Bett hüten. Mitte Januar hatte sich Klein-Emma eine Lungenentzündung eingefangen. Vier Tage lag sie im Krankenhaus in Traunstein. Mit ihr Mutter Liv Grete, da Vater Raphael zu wenig Deutsch spricht, um sich mit Ärzten oder Schwestern zu verständigen.

Liv Grete Poiree, die in diesem Jahr noch nicht an ihre Super-Saison im vorigen Winter anknüpfen konnte, bestreitet aber vehement, dass sie die Situation mit dem kranken Kind überfordern würde. "Klar, der Aufwand ist gestiegen. Jetzt will Emma ständig beschäftigt sein", erzählt die achtmalige Weltmeisterin. Das sei aber kein Problem, wenn sie gesund ist und sich niemand aus dem Team anstecken könne. "Ich weiß, was ich in meinem Job leisten muss, um damit Geld zu verdienen. So geht es vielen berufstätigen Frauen. Das Leben ist nicht nur Biathlon, aber der Sport ist derzeit meine Arbeit", betont sie.

Ihre Erfahrungen kann Liv Grete nun in der Familie weitergeben. Im Oktober brachte Schwester Ann Elen Skjelbreid Tochter Kristi zur Welt. Ehemann und Vater ist Auswahl-Biathlet Egil Gjelland. Kurz vor Silvester schlossen schließlich noch Gunn Margit Andreassen und ihr langjähriger Lebensgefährte Frode Andresen ihren kleinen David in die Arme. Es gebe aber kein Patentrezept, wie man als Mutter erfolgreich Sport treiben kann. Ein paar Fehler könne man den anderen aber erzählen, die sie besser nicht wiederholen sollten, sagt Mama Poiree.

Während derzeit im deutschen Team Mutterschaft und Karriere kein Thema sind, war der Baby-Boom für Trainer Lirhus keineswegs ein Schock. "Bei uns in Norwegen wird viel Wert darauf gelegt, dass Frauen mit Kindern weiter erfolgreich im Beruf arbeiten. Ich will sie in der Mannschaft halten und unterstütze sie, wo ich kann" betont Lirhus. Trotzdem macht er keinerlei Kompromisse: "Bei mir bekommt keine trainingsfrei, weil sie wegen des Babys nachts nur zwei Stunden schlafen konnte. Das habe ich bei Liv Grete aber auch nie erlebt".

Lirhus setzt bei den jungen Müttern auf einen speziellen Effekt. "Liv Grete war zur WM in Oberhof so stark, da sie in ihrer Comeback- Saison nach einem Jahr Pause heiß auf Rennen war. Dafür strampelte sie härter als alle anderen." Ein weiterer Vorteil sei der gute Zusammenhalt im Team: "Wir bekommen das hin. Ich habe ja selbst drei Kinder gewindelt. Und wenn nötig, reisen wir nächstes Jahr zu Olympia nach San Sicario mit einem zusätzlichen Mutter-Kind-Express an."

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