„Märchenerzähler“
Ullrich erhebt Vorwürfe gegen Aldag

Jan Ullrich und sein sportlicher Ziehvater Rudy Pevenage haben ihr Monate langes Schweigen gebrochen. Vor allem T-Mobile Sportdirektor Rolf Aldag muss sich einiges gefallen lassen.

HB COMPIEGNE. Jan Ullrich und Rudy Pevenage haben ihr Monate langes Schweigen gebrochen, zur Aufklärung der Doping-Affäre Fuentes aber nicht viel beigetragen. In einem Exklusiv-Interview in der „L'Équipe“ vom Dienstag erhob der im Februar zurückgetretene Ullrich schwere Vorwürfe gegen den geständigen Rolf Aldag. In der „Süddeutschen Zeitung“ gab Pevenage eine Kooperation mit Fuentes zu: „Glauben Sie ich bin der einzige Sportliche Leiter, der Kontakt zu ihm hatte“? Sowohl gegen Ullrich als auch gegen Pevenage ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft wegen Betruges zum Nachteil ihres ehemaligen Radprofi-Rennstalls T-Mobile.

Gianluigi Stanga, der von der Tour de France nach den Anschuldigungen Jörg Jaksches fern gebliebene Teamchef von Milram, kündigte eine Klage gegen den Ansbacher Ex-Profi an. Der Italiener schloss die Möglichkeit des Rückzugs des Sponsors Nordmilch nicht aus, wenn Topsprinter Alessandro Petacchi am 24. Juli vom italienischen Verband wegen Dopings verurteilt wird. Beim Giro wurde bei Petacchi ein zu hoher Cortekoid-Gehalt im Urin gemessen. Er hatte ein Attest für die Benutzung eines Asthma-Sprays, das ihm zugestandene Limit aber weit überschritten.

Ullrich, der bei den TV-Übertragungen zu Hause in Scherzingen immer den Ton abdreht, „weil mein Name öfter vorkommt, als der der Fahrer“, griff seinen früheren Team-Kollegen und jetzigen T-Mobile- Teamchef Aldag an. „Er hat viel Geld mit mir verdient. Wenn es kein sauberes Geld ist, wieso hat er es nicht zurückgegeben oder einer gemeinnützigen Organisation gespendet?“, fragte Ullrich, der Aldag nach seinem Geständnis im Mai eine SMS mit folgendem Inhalt geschickt hätte: „Wenn ich ein Buch schriebe, wärst du die Hauptperson als Märchenerzähler.“ Aldag sagte, er habe diese Mitteilung nie erhalten.

In dem „L'Équipe“-Interview schildert sich Ullrich als glücklichen Menschen, der „eine neue Freiheit“ entdeckt habe. „Viele Journalisten glauben, ich stehe vor dem Selbstmord, aber ich bin noch da und glücklich mit dem Leben“, sagte er. Seine Frau Sara erwartet im September das gemeinsame Kind, und Ullrich profiliert sich bereits als Hausmann: „In meiner früheren Höhenkammer in unserem Haus trocknet jetzt die Wäsche.“ Trotz enormer Anwaltskosten spürt der 33- Jährige keinen finanziellen Druck: „Ich bin niemandem etwas schuldig. Ich habe genug Geld, um gemütlich bis ans Ende meiner Tage zu leben“.

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