Mafiöse Verhältnisse im Radsport
Basso-Verfahren ein „italienisches Windei“

Zurückgezogene Geständnisse, beredetes Schweigen und ein Klima der Angst: Mafiöse Verhältnisse beherrschen den Profi-Radsport. Dadurch verkommt die Aufklärung des Doping-Skandals zunehmend zu einer Farce. Neueste Episode: Ein Windei namens Basso.

HB ROM/BERLIN. Die Angst geht um im Radsport-Milieu, das durch den Fall Basso weiter in Mafia-Nähe gerückt ist. „Sie haben Angst, zu reden. Sie fürchten Schlimmes. Diese Jungs sind Opfer, umgeben von Managern, Ärzten und Handlangern“, sagte CONI-Chefermittler Ettore Torri im italienischen Fernsehen nach Bassos Geständnis-Farce in der Fuentes-Affäre, für das der Giro-Gewinner weltweit Presse-Prügel einstecken musste. Der ebenfalls geständige Radprofi Michele Scarponi ging offensichtlich beim Verhör der Anti-Doping-Agentur des NOK (CONI) weiter als sein prominenter Kollege. „Scarponi hat in zwei Stunden das gesamte Doping-System von Fuentes dargelegt“, berichtete die italienische Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ am Mittwoch.

Unterdessen scheint Jan Ullrich immer weiter ins Abseits zu geraten. Zwar wollte Radsport-Manager Thomas Kofler vom Zweitliga- Team „Volksbank“ Ullrichs endgültige Demission als Berater und Werbeträger nicht bestätigen, sagte aber am Mittwoch der dpa: „Die Zusammenarbeit liegt auf Eis bis wir endgültige Klarheit haben, wie der Fall weitergeht.“ Der Österreicher ließ keinen Zweifel daran, dass Ullrich bei den Saisonhöhepunkten des Teams, Tour de Suisse (16. -24. Juni) und Deutschland-Tour (10.-18. August), nicht auftreten wird.

Um die Wildcard für die Deutschland-Tour zu bekommen, musste das Kofler-Team den Ethik-Code unterschreiben, der auch schon die Zusammenarbeit mit unter Dopingverdacht stehenden Personen verbietet. Es bringe nichts, Ullrich zu einem Geständnis aufzufordern, „wenn er sagt, er habe nichts zu gestehen. Zu was ich ihn aufgefordert habe, ist, reinen Tisch zu machen und sich vollumfänglich zu äußern, aber das hat alles nichts gefruchtet“, erklärte DOSB-Präsident Thomas Bach in einem Interview mit der „Welt“ (Mittwoch-Ausgabe).

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