Marathon
Das Geheimnis der Kenianer

In Berlin bricht mit Wilson Kipsang erneut ein Kenianer den Marathon-Weltrekord. Wissenschaftler glauben, eine Erklärung für die Dominanz der Ostafrikaner zu haben – allerdings eine, die nicht allen gefallen dürfte.
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KapstadtDie Marathonstrecke in Berlin ist ein gutes Pflaster für schnelle Zeiten. Am Sonntag brauchte der Kenianer Wilson Kipsang 2:03:23 Stunden für die 42,195 Kilometer und drückte damit die Weltrekordzeit seines Landsmanns Patrick Makau um 15 Sekunden.

Auffallend oft sind es Läufer aus Kenia, die auf der Marathondistanz ganz vorne sind. Ihre Körper sind geradezu zierlich, kaum 60 Kilo schwer. Dennoch dominieren sie seit Jahren die olympischen Langstreckenwettbewerbe - und die großen Stadtmarathons wie nun in Berlin. Um dem Rätsel ihres Erfolges auf die Spur zu kommen, untersuchen Wissenschaftler seit langem warum ausgerechnet Läufer aus dem ostafrikanischen Hochland dem Rest der Welt regelmäßig davoneilen.

Einige der populärsten Erklärungen für den Erfolg der Kenianer können die Wissenschaftler inzwischen entkräften, allen voran die Annahme, die Höhe des kenianischen Rift Valleys sei mehr als alles andere für ihre Vormachtstellung verantwortlich. Wer zum Beispiel in Eldoret, dem Ort in Westkenia, der die meisten Weltklasseläufer produziert, auch nur eine kleine Treppe erklimmt, ist danach wegen der mehr als 2000 Höhenmeter des Ortes schnell außer Atem. Die Luft ist in Eldoret so dünn, dass die Ortsansässigen tiefer als anderswo einatmen müssen, um ausreichend Sauerstoff aufzunehmen. Gerade dieser Umstand, so glaubte man lange Zeit, würde es den Ausdauerathleten aus Kenia später unter normalen Umständen ermöglichen, besonders effizient zu laufen.  

Doch weder die Höhe noch die spezielle kenianische Ernährung scheinen die Dominanz adäquat zu erklären. Weit wichtiger ist  nach Ansicht des schwedischen Physiologen Bengt Saltin, dass Kenianer beim Laufen weniger schnell ermüden – selbst im Vergleich mit anderen Afrikanern. Dies liegt offenbar daran, dass Milchsäure (eine vom müden Muskel erzeugte Substanz) sich im Blut der kenianischen Läufer nur ausgesprochen langsam aufbaut. Verantwortlich dafür ist nach Ansicht von Saltin wiederum die höhere Konzentration eines Enzyms in der Skelettmuskulatur der Ostafrikaner, das Laktat besonders gut verarbeitet und  dadurch die Produktion neuer Milchsäure bremst.

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Dichtere Knochen, weniger Fett

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