Markenschutz: Einigen ist das Lachen vergangen

Markenschutz
Einigen ist das Lachen vergangen

Böse Zungen in Turin unken bereits, wer das Wort Olympia in den Mund nimmt, müsse demnächst Lizenzgebühren zahlen. Das ist natürlich überzogen, ganz so weit ist es noch nicht.

HB TURIN. Doch selbst Mario Pescante, der Olympia-Beauftragte der italienischen Regierung, warnt die Verantwortlichen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) davor, beim Thema Lizenzen das rechte Maß nicht zu verlieren. Es gäbe da eine Café-Bar in Turin, die sich seit Jahren "Olympic Bar" nennt - nun drohe ihr Ärger, weil sie keine Lizenz hat. "Es gibt Übertreibungen, es gibt da Grenzen", meint Pescante mit verständnisvollem Lächeln.

Anderen ist das Lachen vergangen. Seit Tagen ziehen die Behörden durch Turin, um sicher zu stellen, dass kein Unbefugter das Olympia- Logo benutzt. Die Sache treibt seltsame Blüten. Da Restaurants etwa keine "Olympia-Menus" anbieten dürfen, preist ein cleverer Turiner Wirt seine Kochkünste jetzt als "Spezialmenu für ein Sportereignis in Turin" an, berichtet die Lokalzeitung "La Stampa". "Die fünf Ringe werden verboten", empört sich das Blatt.

"Eigentlich zählt das Bild von Olympia zum kulturellen Erbe aller Menschen, in Wirklichkeit gehört es ausschließlich dem IOC", kritisiert die Zeitung. Die Sache ist ernst, schließlich geht es um viel Geld. Im "Olympic Superstore" etwa an der Piazza Vittorio, einem der schönsten Plätze der Stadt, bieten die Olympia-Vermarkter ihre Produkte an. Rot ist diesmal die Farbe der Spiele, ihr Symbol sind fünf Ringe mit dem Schriftzug "Torino 2006" - und dafür, dass etwa ein ansonsten eher schlichter Babystrampler das geheiligte Logo trägt, muss man stolze 33,50 Euro hinlegen. Ein Kinder-Fleecehemd "Alpine Skiing" kostet lockere 42 Euro, ein Anorak 82 Euro.

"Warum das so teuer ist, kann ich Ihnen auch nicht sagen", antwortet die eher unbedarfte Verkäuferin einem Besucher. Für den Ethno-Pullover verlangen die Olympia-Vermarkter immerhin 209 Euro. Wer nicht ganz so viel investieren will, greift zu kleinerem Schnickschnack: Fan-Glocken, zusammenlegbaren Tassen oder Barolo-Wein mit wahlweise Skilangläufern oder alpinen Abfahrern auf dem Logo (30 Euro) - natürlich alles mit den Ringen, "prodotti ufficiali", offiziell zugelassene Produkte eben.

"Indem sie dieses Produkt kaufen, unterstützen sie den olympischen Sport", steht auf den Weinflaschen und den anderen Waren. Offenbar schrecken die hohen Preise nicht sonderlich, auf immerhin 12 000 Besucher pro Stunde ist der Superstore ausgelegt, in 6000 Geschäften in ganz Italien werden die offiziellen Produkte verkauft. Das Geschäft mit den Sponsoren und Merchandising läuft wie geschmiert, alles in allem, samt Münz-und Briefmarkenverkauf sowie Lottoeinnahmen, wollen die Veranstalter damit 375,7 Mill. Euro einnehmen.

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