Marta Weores
„Wir werden weniger Ausfall-Tage haben als in Neuseeland“

Der Wind in Valencia spielt verrückt. Bereits am Eröffnungstag des Louis Vuitton-Cup mussten alle Segel-Rennen wegen Flaute abgesagt werden. Marta Weores, die Wetter-Expertin des südafrikanischen Team Shosholoza, erklärt, warum der erhoffe stabile Wind auf sich warten lässt.

Warum wurde Valencia aus Ihrer Sicht als Wetter-Expertin zum Austragungsort des 32. America´s Cup erkoren?

Normalerweise gibt es vor der Küste in Valencia eine nicht sonderlich starke, aber konstante Seebrise. Die setzt im April ein und die wird mit steigender Temperatur bis Juli immer stabiler. Das war sicher ein Grund, warum man Valencia ausgewählt hat. Vor allem bewegt sich diese Brise in Küstennähe, sodass die Boote nicht zu weit draußen auf dem Meer segeln müssen. Die Rennen sind so für den Zuschauer vom Land aus noch halbwegs erkennbar. Auch das hat die Entscheidung für Valencia möglicherweise positiv beeinflusst.

Was ist eine Seebrise?

Eine Seebrise ist ein thermischer Wind. Er entsteht durch den Temperaturunterschied zwischen der Luft über dem Wasser und der Luft über der Stadt. Dabei steigt die wärmere Luft über dem Land in die Höhe und schafft ein Höhen- und Druck-Gefälle zu der kühleren Luft, die über dem Wasser liegt. Dadurch entsteht eine leichte Wind-Zirkulation in der Nähe der Küste – die Seebrise. Sie setzt mit der steigenden Temperatur gegen 14 Uhr ein und erreicht gegen 16 Uhr ihren Höhepunkt. Danach fällt sie langsam wieder ab.

Um 14 Uhr werden normalerweise die Rennen gestartet. Wie stark muss der Wind da sein?

Die Rennen werden von der Wettfahrt-Leitung gestartet, wenn der Wind in sechs Meter Höhe in einer Dauer von zehn Minuten mindestens sieben Knoten bläst. Er darf höchstens mit einer Geschwindigkeit von 23 Knoten wehen.

Warum lässt die stabile Brise denn so lange auf sich warten?

Wir sind im Moment in einer Übergangsphase. Der starke Winter-Wind ist schon passé. Und die Sommer-Brise ist noch nicht da. Die Folge: Wir haben fast keinen Wind. Die vergangenen Wochen waren überraschend kühl und feucht. Obwohl wir jetzt schon Temperaturen von 20 Grad haben, ist die Luft insgesamt noch zu kühl. Dazu kommt noch sehr viele kühle Luft aus dem Norden Europas. Und die feuchte Erde macht es der warmen Luft zusätzlich schwer aufzusteigen. Man sieht das gut an dem Nebel, der im Moment sogar noch am Nachmittag über der Küste zu sehen ist. Normalerweise sieht man ihn nur am Morgen. All das führt zu einer Verzögerung der ersehnten stabilen See-Brise.

Normal ist das also nicht?

Nein. Das ist definitiv nicht normal für Valencia. Ich habe erst letzte Woche mit einem alten Valencianer gesprochen und der sagte, so etwas habe er hier noch nie erlebt.

Aber das führt doch zu einem ziemlichen Chaos, wenn Rennen ausfallen.

Ja, die ausgefallenen Rennen müssen an den dafür vorgesehenen Ausfall-Tagen nachgeholt werden. Dann fallen die freien Tage halt ins Wasser. Aber das wird überschaubar bleiben. Wir werden auf jeden Fall weniger Ausfall-Tage haben als in Neuseeland. Da gab es ja allein im America´s Cup-Finale neun Tage am Stück, an denen nicht gesegelt wurde.

Wann werden die Bedingungen denn nun berechenbarer?

Wir sagen unseren Seglern schon seit ein paar Tagen, dass es besser werden sollte. Der erhoffte Wind wird kommen, das ist nur eine Frage der Zeit. In der kommenden Woche werden die Bedingungen schon viel stabiler sein.

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