Martina Ertl-Renz auf Abschiedstour
In der eigenen Bettwäsche schläft es sich besser

Ihre letzten Olympischen Spiele will Martina Ertl-Renz "ganz besonders genießen" und natürlich auch Zählbares erreichen. Vor ihrem letzten Olympia-Gastspiel hat die 32-Jährige nichts dem Zufall überlassen.

HB TURIN. Sogar eigene Bettwäsche hat die Lenggrieserin mitgebracht und Müsli sowie ihre bevorzugte Nuss- Nougat-Creme auf den Tisch gestellt. Auch von den vielen kleinen Pannen beim Einzug ins Olympische Dorf hat sie sich die Laune nicht verderben lassen. Aus der Dusche kommt längst wieder warmes Wasser und ihr Appartement glänzt. Eigenhändig hat die Skirennläuferin den Boden gefegt: "Jetzt darf keiner mehr mit Dreckschuhen rein."

Vor ihrem ersten von vier Olympia-Einsätzen am Freitag in der Kombination hofft die 32-Jährige die im Weltcup verlorene Form wieder gefunden zu haben. "Es wird sehr, sehr schwierig werden. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Mal sehen, was rauskommt", sagte die "Grande Dame" des deutschen alpinen Skisports. Bei ihrer fünften Olympia- Teilnahme will die dienstälteste Weltcup-Fahrerin ihre Karriere standesgemäß beeenden.

"Der Ehrgeiz von Sportlern geht nie weg, auch wenn man schon zum fünften Mal an Olympischen Spielen teilnimmt", sagt sie. Nach dem Favoritensterben in der Männerkombination hofft auch Alpinchef Walter Vogel auf ein Erfolgserlebnis. "Wir sind nicht angetreten, um Ergebnisse abzuliefern und uns gut zu verkaufen. Wir wollen eine Medaille", sagte er und forderte von seinen Kombiniererinnen: "Volle Attacke, volles Risiko."

In der Kombination an diesem Freitag, an der auch Monika Bergmann- Schumderer (Lam) nach überstandener Magen-Darm-Infektion teilnimmt, hat Martina Ertl-Renz wohl ihre größte Medaillen-Chance. Topfavoritin Janica Kostelic, die dreimalige Olympiasiegerin aus Kroatien, ist angeschlagen, will aber starten. Gesamtweltcup-Siegerin Anja Pärson, die andere Gold- Anwärterin aus Schweden, hat die Deutsche auf dem Zettel: "Mit ihr ist immer zu rechnen."

"Martinas Formschwankungen waren in diesem Jahr extrem. Ihre große Routine kann ihr allerdings helfen, die Form für die Rennen wieder zu finden", sagte Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier. Schließlich konnte sich Maier auf seinen eigenwilligen Schützling bei Olympia immer verlassen. Nach lehrreichen Erfahrungen bei den Spielen 1992 in Albertville wurde Martina Ertl-Renz zwei Jahre später in Lillehammer Zweite im Riesenslalom. 1998 in Nagano gab es Silber in der Kombination und 2002 in Salt Lake City reichte es zu Bronze. Auch vor vier Jahren hatte nach einem großen Formtief vor Olympia niemand mit ihr gerechnet.

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