Mayer-Vorfelder kommt seine Hausmacht abhanden: Ein Präsident fällt zurück

Mayer-Vorfelder kommt seine Hausmacht abhanden
Ein Präsident fällt zurück

Der Präsident des DFB, Gerhard Mayer-Vorfelder, muss mit ansehen, wie sich sein Kollege Theo Zwanziger als Aufklärer profiliert. Der Rückhalt im Verband für Zwanziger ist gewachsen

BERLIN. Gerhard Mayer-Vorfelder hat schon bessere Tage erlebt. "Er ist etwas missmutig", witzeln sie in der Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über ihren Präsidenten. Denn das Krisenmanagement im Manipulationsskandal leistet Theo Zwanziger, der andere DFB-Präsident.

Eine Niederlage erlitt Mayer-Vorfelder am Wochenende. Da bildete der DFB eine Arbeitsgruppe, die anstelle des Präsidiums schnelle Entscheidungen bei der Aufklärung des Skandals treffen soll. Neben Zwanziger sind dort Liga-Chef Werner Hackmann, Schatzmeister Heinrich Schmidhuber und Generalsekretär Horst R. Schmidt vertreten. Mayer-Vorfelder ist nicht dabei. "Die Schiedsrichter fallen eben in den Aufgabenbereich von Herrn Zwanziger", sagt Hackmann.

Als im Sommer der Verband die Doppelspitze installierte, rangen beide Führungsfiguren um Kompetenzen. Nun ist Zwanziger zuständig für die Amateur- und Landesverbände, Mayer-Vorfelder federführend für die Nationalelf und die internationalen Kontakte. Zwanziger wurde als halber Präsident verspottet; Bundestrainer Jürgen Klinsmann sagte, sein Ansprechpartner sei Mayer-Vorfelder. Nun aber steht nicht der altgediente Präsident im Blickpunkt, sondern der neue. "In so einer Ad-hoc-Gruppe müssen Leute sitzen, die immer erreichbar sind", sagt Schmidhuber.

Der Rückhalt im Verband für Zwanziger ist gewachsen. "Ich bin froh, dass wir ihn haben", sagt DFB-Vize Engelbert Nelle. Die neue Arbeitsgruppe besteht vorrangig aus Personen, die auf Zwanzigers Seite stehen. Der treueste ist wohl Schmidhuber, der im Oktober auf Drängen des neuen Präsidenten zum Schatzmeister gewählt wurde. Schmidt arbeitet im Organisationskomitee für die WM 2006 eng mit Zwanziger zusammen. Auch Hackmann, der sich bislang öffentlich auf keine Seite gestellt hat, kennt Zwanziger gut. Beide handelten vor fünf Jahren den Grundlagenvertrag zwischen Liga und Dachverband aus.

Mayer-Vorfelder kommt dagegen seine Hausmacht abhanden. Zuletzt verursachte er Ärger, als er in einer Talkshow missverständliche Äußerungen über die Rolle des Wettanbieters Oddset abgab. Das führte zum Streit zwischen DFB und WM-Sponsor. Zwanziger machte Punkte, als er mit dem HSV eine Entschädigung für das manipulierte Pokalspiel in Paderborn aushandelte.

"Es fällt ihm eben nicht leicht, sich zurückzunehmen", sagt Zwanziger über seinen Kollegen. "Aber kommunizieren sollte der, der am nächsten an einer Sache dran ist." Einen lautstarken Krach zwischen beiden Präsidenten will kein Präsidiumsmitglied bestätigen. Viele Funktionäre sind sich sicher, dass Mayer-Vorfelder nicht zum Rückzug vor der WM zu bewegen ist.

Mit Niederlagen muss Mayer-Vorfelder leben. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter informierte sich bei Zwanziger telefonisch über den Skandal. Zuvor hatte er stets das Gespräch mit Mayer-Vorfelder bevorzugt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%