„Mehr Drama“
Tennis macht sich fürs Fernsehen fein

Spannung kam bisher bei Liveübertragungen vom Tennisduellen erst nach Stunden auf - den Zuschauern fehlt die Dramatik. Neue Regeln und Internetangebote sollen den Sport jünger machen und für die Medien in Szene setzen.
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ParisBei Tennisübertragungen von Eurosport übernimmt der Zuschauer die Regie - zumindest online. Wer den "Eurosport Player" von der Internetseite des Spartensenders herunterlädt, kann nach Belieben zwischen mehreren Partien wechseln. Erprobt wird das Web-Zapping bei den French Open in Paris, wo die Topstars noch bis Sonntag um Millionenprämien spielen.

Eurosport kassiert pro Monat rund fünf Euro für das neue Angebot - es umfasst das gesamte Programm. Genaue Angaben zur Nutzerzahl macht der Sender nicht. Es seien "mehrere Zehntausend".

Mit der Internet-Abspielstation haben die Fernsehexperten auf ein Dilemma bei Liveberichten vom Tennis reagiert: Es dauert oft Stunden, bis bei den Duellen richtig Spannung aufkommt. "Die Leute wollen, dass es schneller dramatisch wird", sagt Gerard Tsobanian, Präsident der Mutua Madrid Open. Der Turnierchef fordert Reformen: Neue Regeln sollen das Spiel rasanter und fernsehtauglicher machen.

Massiv hat Tennis zuletzt in der Gunst der TV-Macher verloren. Im Gegensatz zu Eurosport, das außerhalb des deutschsprachigen Raums ein Bezahlsender ist, haben frei empfangbare Stationen ihre Berichterstattung deutlich eingeschränkt. Europaweit fuhren sie in den vergangenen fünf Jahren den Umfang von Tennisübertragungen um 30 Prozent zurück - Fußball konnte seine Präsenz im gleichen Zeitraum verdoppeln.

Alarmierende Zahlen, die Eurosport während der French Open präsentierte. Den TV-Sendern fällt es schwer, gerade jüngere Zuschauer zu locken: Zwei Drittel des Fernsehpublikums beim Tennis sind heute älter als 50 Jahre. Kritiker monieren, dass Verbände und Veranstalter es versäumt hätten, den Sport medienwirksamer zu inszenieren - in der trügerischen Hoffnung, dass die Stars allein genug Sogwirkung entfalten. Tsobanian geht hart ins Gericht: "Keine Sportart ist weniger innovativ als Tennis. Und wer heute nicht innovativ ist, ist bald Geschichte."

Wie Regeländerungen eine Sportart spannender machen können, zeigt sich im Tischtennis. Einzelne Gewinnsätze werden nicht mehr bis 21 Punkte gespielt. Heute reichen elf Punkte. Ins Tennis übersetzt hieße das: Statt sechs Spiele genügen vier für den Satzgewinn. Auch kürzere Aufwärmphasen, langsamere Bälle und sogar der Abschied vom zweiten Versuch beim Aufschlag sind in der Diskussion.

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