Michael Phelps vor Gericht
Der gestrandete Goldfisch

Am Freitag hat Michael Phelps einen wichtigen Termin. Der Rekord-Olympiasieger muss sich wegen Alkohols am Steuer verantworten. Es ist nicht der erste Gesetzes-Konflikt für den Schwimmstar.
  • 0

BaltimoreIm Pool ist Michael Phelps der Überschwimmer, im wahren Leben ist er bereits dreimal gestrandet. Für sein jüngstes Vergehen muss sich der Rekord-Olympiasieger an diesem Freitag vor Gericht verantworten. Wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrens mit überhöhter Geschwindigkeit droht dem 29-Jährigen im schlimmsten Fall ein Jahr Gefängnis. Justiz-Experten gehen jedoch davon aus, dass Phelps ohne Haftstrafe davonkommt.

Die Gerichtsverhandlung findet in Baltimore statt, seinem Heimatort, der weltweit vor allem mit ihm, seinen Medaillen, Rekorden und Fabelzeiten verbunden wird. Baltimore, das ist vor allem Rekord-Olympionike Michael Fred Phelps, der am 30. Juni 1985 im nördlich der Stadt gelegenen Ort Towson zur Welt kam.

Phelps gilt für viele als der personifizierte Siegertyp. Er hat alles gewonnen, seinen Sport mehr als zehn Jahre lang dominiert wie keiner zuvor. Der Amerikaner ist 18 Mal Olympiasieger geworden, hat aber auch bereits eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten hinter sich. Zu dieser wurde er verurteilt, nachdem er im November 2004 wegen Alkohols am Steuer verhaftet worden war. Er habe das Gefühl, „sein Land enttäuscht zu haben“, sagte Phelps damals reumütig.

Am 30. September war er in den frühen Morgenstunden auf einem Highway in Baltimore erneut angetrunken und viel zu schnell unterwegs. Statt der erlaubten 72 Stundenkilometer raste Phelps mit Tempo 134 durch die Nacht; er hatte dabei einen Blutalkoholwert von 1,4 Promille. Anschließend unterzog er sich einer sechswöchigen Therapie. Diese brauche er, um sich selbst besser verstehen zu können.

Und dann war da noch die Sache mit der Wasserpfeife im Februar 2009 auf einer Studentenparty. Nur sechs Monate nach dem Phelps-Festival mit dem Olympia-Rekord von acht Goldenen in Peking war der er von den Titelseiten in die Klatsch-Spalten der Zeitungen und Magazine abgerutscht. Der US Schwimm-Verband sperrte seinen Vorzeigeathleten für drei Monate. Doch diese Sanktion glich jedoch eher einem sanften Klaps auf den Allerwertesten als einer echten Strafe.

Jetzt griffen die Verantwortlichen deutlich härter durch. Phelps ist sechs Monate gesperrt und wurde aus dem Aufgebot für die Weltmeisterschaft im August im russischen Kasan gestrichen. Die Titelkämpfe sind die letzte echte Standortbestimmung vor den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro.

Inzwischen zieht er wieder seine Bahnen. Die Alkohol-Therapie ist beendet, Phelps zurück in Baltimore im Becken. Bis zum 6. März dauert seine Sperre noch an. Laut Trainer Bob Bowman gibt es noch keine genauen Pläne, über welche Strecken man schwimmen und bei welchen Meetings antreten werde: „Wir schauen uns derzeit nach vielen Optionen um, blicken dabei aber immer nur von Tag zu Tag.“

Nach seinem Comeback im April schwamm Phelps schnell wieder auf der Erfolgswelle. Beim Jahreshöhepunkt, den Pan-Pazifischen Spielen in Australien, gewann er im August dreimal Gold und zweimal Silber. Vor einem Monat, als Phelps sich gerade in einer Klinik therapieren ließ, ernannte ihn der nationale Verband sogar zum „Schwimmer des Jahres“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Michael Phelps vor Gericht: Der gestrandete Goldfisch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%