Millionen Euro wurden mit vollen Händen ausgegeben
Ausflug an die Börse bringt BVB kein Glück

Fehleinschätzungen, Missmanagement und schierer Größenwahn haben den einzigen börsennotierten Fußballclub Deutschlands an den Rand des Bankrotts gebracht. Und nicht nur das, der einzigen deutschen Fußballaktie droht auch der Platzverweis von der Börse. Das so genannte Delisting der BVB-Aktie vom Amtlichen Handel wäre eine harte Strafe für den angeschlagenen Klub, der beim Börsengang verschwiegen hatte, seinen Vereinsnamen an den Kölner Versicherungskonzern Gerling verpfändet zu haben.

DÜSSELDORF/ FRANKFURT. Die Börsengeschichte des BVB ist fast von Beginn an eine Leidensgeschichte. Schon als die Deutsche Bank am 31. Oktober 2000 13,5 Mill. BVB-Aktien für elf Euro das Stück an die Börse brachte, fanden sich nicht genug Käufer. Deshalb musste die Deutsche Bank 15 Prozent davon in die eigenen Bücher nehmen. Erst drei Jahre später wurde das Institut die Aktien los. Der Bonner Verleger Norman Rentrop übernahm das Paket, der es dann seinerseits an den Spekulanten Florian Homm und dessen Beteiligungsgesellschaft mit Sitz auf Mallorca weiterverkaufte. Da war die BVB-Aktie an der Börse nur noch 2,50 Euro wert.

Nach Meinung eines am Börsengang beteiligten Beraters war es dennoch nicht falsch, Borussia im Jahr 2000 an die Börse zu bringen. Auf der Habenseite hätten eine starke sportliche Stellung, eine große Fanbasis und eine sehr gute Marke gestanden. All das hätte man mit den 137 Mill. Euro aus dem Börsengang weiter ausbauen können. Allerdings habe das Management dann krasse Fehler begangen.

Der Berater räumt allerdings auch ein, dass die beim Börsengang getroffenen Annahmen viel zu optimistisch gewesen seien. "Damals dachte man, dass die Einnahmen aus dem Marketing und den Fernsehrechten immer weiter nach oben gehen würden. Das hat sich dann drastisch geändert."

Beispiel Marketing. Größenwahn trieb die BVB-Verantwortlichen im Rausch des Börsengangs. Weil der Ausrüstervertrag mit dem US-Sportriesen Nike zu mickrig erschien, gründete Dortmund kurzerhand seine eigene Ausrüstermarke mit dem Namen "goool". Der Vertrieb der Trikots floppte, im Geschäftsjahr 03/04 machte die Sparte bei einem Umsatz von 4,4 Millionen Euro einen Verlust von 300 000 Euro. Das war allerdings noch Kleingeld im Vergleich zu den übrigen Dortmunder Abenteuern.

Richtig zu Buche schlug die Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben im Spielerkader. Das lag vor allem an den Erlösen aus den internationalen Wettbewerben wie der Champions-League, mit denen Dortmund zwar stets kalkulierte, die aber nie wirklich flossen - knapp, aber konsequent verpasste der BVB in den vergangenen Jahren die dringend notwendige Qualifikation. Dennoch kauften Ex-Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Maier einen Spielerkader zusammen, der in Europa seinesgleichen suchte. Für 50 Millionen Euro verpflichteten sie Stars und zahlten Rekordgehälter. In Spitzenzeiten kassierten die Borussenprofis pro Saison 60 Millionen Euro an Gehalt.

Als Musterfall des Missmanagements gilt der Fall Marcio Amoroso, bis heute der teuerste Transfer der Bundesligageschichte. 25 Millionen Euro legte der BVB unmittelbar nach dem Börsengang für den brasilianischen Mittelstürmer auf den Tisch, sein vorheriger Arbeitgeber AC Parma konnte sein Glück kaum fassen. Ein Jahr lang schien die Rechnung aufzugehen: Amoroso schoss Tore wie am Fließband, Dortmund wurde Deutscher Meister. Doch schon nach einem Jahr war die Herrlichkeit vorbei: Amoroso verletzte sich, verkrachte sich mit Trainer und Mitspielern und erschien irgendwann überhaupt nicht mehr. Im März vergangenen Jahres löste Dortmund den Vertrag, um wenigstens das Gehalt zu sparen. Bilanzielle Folge des Transfers: Totalabschreibung.

Droht jetzt neben der finanziellen Pleite noch der Platzverweis vom Aktienmarkt? Die Zulassungsstelle der Frankfurter Wertpapierbörse will möglichst noch vor dem Wochenende eine Entscheidung treffen. Finanzkreise gehen allerdings nicht davon aus, dass die Börse tatsächlich die Höchststrafe wegen der im Prospekt verschwiegenen Verpfändung der Markenrechte verhängt. Denn ein Delisting würde vor allem die Anleger bestrafen. 50 000 Kleinaktionäre halten Aktien von Borussia Dortmund, das sind fast so viele wie der Club an Dauerkartenbesitzern zählt.

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