Moderne Konstruktionen
Neue Yachten für neue Segler

Mit Hightech, Leichtbauweise, modernem Design und Neigekiel versuchen moderne Konstrukteure das Segeln einfacher und schneller zu machen. "Weniger Strippen, mehr Knoten" lautet die Devise.

HB ST. MAARTEN. Rasant eilt der Silberpfeil vor der Karibikinsel St. Maarten durch die lang laufende, vom steten Passatwind bewegte Atlantikdünung. Die immerhin 37 Meter lange Ghost geht mit der Power einer Rennyacht zur Sache, die das kräftig motorisierte Begleitboot nur mit Mühe folgen lässt. 720 Quadratmeter Tuch treiben sie am Wind an. Ihr Deck ist flach und aufgeräumt. Es gibt kaum Umlenkrollen, Schienen und gerade mal vier Tauwerktrommeln. Die übliche Seglerhardware wurde weggelassen oder smart versteckt. Der fensterlose, ebenfalls silbergraue Kajütaufbau mit seinem panoramaverglasten Dach liegt flach gewölbt auf dem Deck. Hinter dem Aufbau stehen zwei Viersitzer von Le Corbusier, die sich am Empfang einer Werbeagentur gut machen, an Bord einer ambitioniert gesegelten Yacht aber eine Novität sind.

Ein solches Schiff lassen nur Italiener vom Stapel. Die Ghost ist der derzeit letzte Schrei der Yachtwelt, die aktuelle Kreation des innovativen Mailänder Konstruktionsbüros Luca Brenta & Co. Der Ideengenerator Brenta und sein kommunikativer Partner Lorenzo Argento entwickeln seit Jahren Boote, die Trends setzen: Glasdächer, automatisiertes Anker- und Segelmanagement, ein offenes Heck, jetzt auch noch die Sitzgruppe an Deck. Die Mailänder entwerfen ihre coolen Segelspaßmaschinen für die Bedürfnisse einer zunehmend jungen Klientel, die unkonventionelle Lösungen mag. Der schönste Platz an Bord einer Yacht ist nun mal an Deck. Kabinen suchen Segler eh bloß zum Waschen, Kochen oder Schlafen auf.

Moderne Yachten werden leicht wie Flugzeuge ausgebaut, denn mit jedem Zentimeter, den ein Boot tiefer im Wasser liegt, sinkt die Segelleistung. Das Gewicht diktiert jenen gestalterischen Minimalismus, wie er italienischen Gestaltern mit ihrer klaren Formensprache, Mut zur Farbe und vor allem zum Weglassen liegt. Es gibt für einen Segler nichts Schöneres, als hinter dem Rad stehend auf dem schräg geneigten Deck sein Schiff zu überblicken. Er sieht den Wind über das Wasser kommen und steuert das Schiff feinfühlig die unsicht-, dennoch spürbare Windkante entlang, wo die Brise mit idealem Einfallswinkel die Segel füllt und moderne Yachten wie die Ghost ungefähr so schnell wie der Wind über das Meer ziehen. Dieser seglerische Purismus wurde seit den 30er Jahren verwässert, Komfortgesichtspunkten oder einem praxisfremden Sicherheitsdenken geopfert. Die Luxusyachten der 60er bis 80er Jahre waren Kap-Hoorn-taugliche Bollwerke gegen Wind und Wellen.

Erst Brenta setzte mit seiner anfangs skeptisch beäugten Wallygator von 1993 neue Maßstäbe. Seit jeher werden die Kajüten klassischer Yachten mit glattem Deck durch kleine Luken beleuchtet. Brenta hat die traditionellen Skylightboxen und Lichtschächte zu einer großzügigen, bündig ins Kajütdach eingelassenen Panoramascheibe modifiziert. Es ist durchaus gewöhnungsbedürftig, im Salon der Ghost sitzend das Geschehen an Deck und in der Takelage zu beobachten - speziell, wenn ein Crewmitglied über die Scheibe geht.

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