Molkerei will Tour de France-Sieg
Wie die Nordmilch AG den Radsport retten will

Deutschlands größte Molkerei hat trotz der Doping-Skandale große Pläne im Radsport: Nach dem Ausstieg von T-Mobile und dem Rückzug von Gerolsteiner soll das Team Milram die Gunst der Stunde nutzen und sich von einem Italien-lastigen Team in ein rein deutsches verwandeln. Dafür ist die Nordmilch AG ganz offenbar bereit eine Menge Geld in die Hand zu nehmen.

BREMEN. Seit fünf Tagen darf Linus Gerdemann nun schon im Gelben Trikot durch Deutschland fahren. Seit seinem Sieg auf der Königsetappe vergangenen Samstag führt er bei der Deutschland-Tour. Und wenn nichts dazwischen kommt, könnte er am Wochenende nach dem Einzelzeitfahren in Bremen seine erste größere Rundfahrt gewinnen. Er ist jetzt 26, noch immer nicht im besten Alter für einen Radprofi, und doch gilt er seit Jahren als Heilsbringer des deutschen Radsports, als vielleicht letzte Chance einer kollabierenden Branche. Linus Gerdemann empfindet das als "eine riesige Verantwortung".

Die Hand ins Feuer legt in diesen Tagen niemand mehr für einen Radprofi, aber es gibt wenige im Peloton, für den sich so viele Menschen verbürgen wie für Gerdemann. So ist es nahe liegend, dass einer wie er für Aufbruchstimmung nach Möglichkeit auch in Diensten eines deutschen Arbeitgebers sorgen soll. Deshalb will ihn die Nordmilch AG unbedingt für ihr Milram-Team verpflichten.

Der holländische Teammanager Gerry van Gerwen profitiert dabei vom Aus des nächsten Konkurrenten nach dem Rückzug von T-Mobile 2007. Als Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer kürzlich verkündete, keinen Nachfolger des Getränkeabfüllers als Sponsor gefunden zu haben, ergab sich für van Gerwen die seltene Gelegenheit, sein bisher Italien-lastiges Team in ein rein deutsches zu verwandeln, ganz im Sinne seines Geldgebers, Deutschlands größter Molkerei.

Schon während der diesjährigen Tour de France hatte deren Marketing-Vorstand Martin Mischel verkündet, dass "wir auch mal einen großen Schritt gehen müssen, wenn wir weiterkommen wollen". Van Gerwen konkretisierte in diesen Tagen, wie groß dieser Schritt denn ausfallen könnte: "Wir wollen im nächsten Jahr in der Lage sein, jedes Rennen, an dem wir teilnehmen, zu gewinnen." Und die Tour schließe das ein.

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