Motivationsschub für Lindemann
Die Achterbahn soll nach oben fahren

Stefan Lindemann staunte nicht schlecht, als er gefragt wurde, ob er mit Bundespräsident Horst Köhler und dessen Gattin zu Mittag essen wolle.

HB TURIN. "Ich habe sofort zugesagt, das war dann auch ganz locker. Und Herr Köhler hat sich sein Essen in der Mensa sogar selbst geholt", berichtete der fünfmalige deutsche Eiskunstlauf-Meister nach seinem bisher interessantesten Erlebnis in Turin. Wie ein Motivationsschub wirkte das kleine Highlight im olympischen Dorf vor dem Kurzprogramm der Herren am Dienstag (19.00 Uhr).

"Olympische Spiele sind so was Besonderes, da will ich vor allem Spaß haben beim Laufen", lautet die neue Devise des ungewohnt gelöst wirkenden Erfurters, der in den vergangenen Jahren eine regelrechte Achterbahnfahrt mitgemacht hat. Dem Überraschungs-Dritten der WM 2004 und EM-Dritten 2005 gelang in diesem Winter noch nicht sehr viel. Beim ersten Grand Prix in Moskau, als er in einem Weltklassefeld Vierter wurde, schaffte er zwar souverän die Qualifikation für die Winterspiele. Danach wurde er aber Letzter beim Grand Prix in Japan, mit Mühe und Not wieder deutscher Meister und nur Zwölfter bei der EM im Januar in Lyon. Verängstigt riss er seine Sprünge auf, statt auf Angriff zu laufen.

"Ich habe nicht lange gegrübelt, das ist abgeschlossen", behauptet Lindemann, für den das Wichtigste ist, dass Freunde und Familie an ihn glauben. "In den letzten Wochen bin ich viel stabiler geworden, beim Training war ich richtig anwesend", erzählt der 25 Jahre alte Stabsunteroffizier. Sogar der vierfache Toeloop - ein Muss, um sich in der Weltspitze zu behaupten - klappt endlich wieder. "Ich mache mir darum keinen Kopf, auch wenn er im Training nicht immer perfekt ist, werde ich ihn in der Kür zeigen."

Um noch einmal einen Reiz zu setzen, musste Lindemann kurz vor seiner Abreise die Programme dem Verband vorführen. Bei der Formüberprüfung in Berlin lief er innerhalb von drei Stunden Kurzprogramm und Kür. "Das war sehr gut, ich hatte nur kleine Fehler", berichtet der nur 1,63 Meter kleine Thüringer, der seit Jahren vor allem durch seine Athletik Punkte sammelt.

Angesichts der starken Konkurrenz um den haushohen Favoriten Jewgeni Pluschenko (Russland) ist Lindemann mit Prognosen vorsichtig. "Dieses Jahr ist irgendwie der Wurm drin. Wenn's gut läuft, erste Sechs." Für den 23 Jahre alten Pluschenko, der sich nach einer Leistenoperation mit seinem fünftem EM-Titel zurückmeldete, zählt aber nur eines: "Ich will mir diese Goldmedaille um meinen Hals hängen, ich muss sie haben." Noch immer schmerzt ihn die Niederlage gegen Alexej Jagudin bei Olympia in Salt Lake City vor vier Jahren.

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