Motorsport Formel1
Heidfeld: "Ich habe noch immer ein gutes Gefühl"

In einem sid-Interview sprach Nick Heidfeld über die kommende Saison. "Die Vorfreude und die Aufregung sind größer als sonst", bekannte der Mönchengladbacher.

Kurz vor dem Start in die neue Formel-1-Saison spricht Nick Heidfeld in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) über sein Team BMW, die Regeländerungen und seine Erwartungen.

sid: "Auf Ihre Bestätigung für die Saison 2009 durch BMW mussten Sie im vorigen Jahr nach einem stetigen Auf und Ab lange warten. Hatten Sie ernsthafte Bedenken, sich einen neuen Arbeitgeber suchen zu müssen und gab es vielleicht schon erste Kontakte zu anderen Teams?"

Heidfeld: "Das war schon ein großes Thema für mich. Es hat mich aber nicht soweit belastet, dass meine Leistung gelitten hätte. Ich habe mir nie Gedanken über meine Formel-1-Karriere machen müssen. Ich musste mir nur Gedanken machen, ob es bei BMW weitergeht."

sid: "Sind Sie froh, dass es mit der Vertragsverlängerung bei BMW geklappt hat?"

Heidfeld: "Ja, das war mein Ziel. Es ist ein Team mit einem starken Auto. Wir arbeiten schon lange zusammen. Wir sind zusammen von ein bisschen weiter hinten, als Sauber übernommen wurde, richtig nach vorne gekommen. Das Ziel ist, dieses Jahr um den WM-Titel mitzukämpfen. Ich traue es dem Team zu. Da möchte ich natürlich dabei sein."

sid: "In welchem Bereich hat sich das Team Ihrer Meinung nach am meisten verbessert?"

Heidfeld: "Ich hoffe, dass wir uns in dieser Saison verbessern werden, was die Weiterentwicklung des Autos betrifft. Da hatten wir in der vergangenen Saison nicht das Optimum erreicht. Wir waren am Anfang bis zur Mitte des Jahres ganz stark und haben dann den Anschluss etwas verloren, obwohl wir neue Teile produziert haben. Die haben aber nicht so funktioniert wie wir uns das vorgestellt haben. Ich hoffe, dass wir uns diesbezüglich verbessert haben. Wir haben die Fehler analysiert. Aber hundertprozentig wissen, ob es funktioniert, werden wir erst, wenn die Saison läuft. Entscheidend ist, dass wir aus den Fehlern gelernt und die richtigen Konsequenzen daraus gezogen haben. Dies ist ein wichtiger Bestandteil des Fortschritts."

sid: "Wie wollen Sie in diesem Jahr mehr Konstanz in Ihre Leistungen bringen?"

Heidfeld: "Mein Hauptproblem im vergangenen Jahr waren die Reifen, die habe ich nicht immer in das richtige Temperaturfenster gebracht. Das hat die Leistungen erklärt. Zum Glück waren meine Leistungen in den letzten fünf Saisonrennen aber positiv. Da habe ich den Aufwärtstrend bestätigt, das Auto war aber leider nicht mehr ganz so schnell wie am Anfang."

sid: "Was erwarten Sie vom Duell gegen Ihren Teamkollegen Robert Kubica?"

Heidfeld: "Es sollte spannend werden. Ich hoffe, dass ich an die Saison 2006 und 2007 anknüpfen kann, wo ich doch deutlich die Oberhand hatte. Dies war letztes Jahr leider nicht der Fall. In den letzten paar Rennen, in denen es besser ging, war ich mindestens auf dem gleichen Stand wie Robert. Davor war es natürlich nicht so, wie ich mir das gewünscht habe. Das Ziel ist es, wieder auf den alten Stand zurückzukommen."

sid: "Was haben Sie aus der vergangenen Saison für Lehren gezogen?"

Heidfeld: "Am meisten habe ich gelernt in Bezug auf die Reifen, auch wenn wir nun komplett andere Reifen haben mit den Slicks. Jetzt habe ich schon bei den Testfahrten gemerkt, dass die Analysen mir weiterhelfen und dass ich im Reifenverständnis und im Umgang mit den Reifen deutlich weiter bin als vor einem Jahr. Das ist der größte Unterschied."

sid: "Sie haben im Januar bei der Präsentation des neuen Wagens gesagt, dass Sie sich fit fühlen würden und ein gutes Gefühl hätten. Wie ist die Lage kurz vor dem Saisonstart?"

Heidfeld: "Ich fühle mich noch fitter. Ich hatte einen Fitnesstest, der sehr gut aussah. Ich habe - jetzt sind wir wieder beim Thema Kers - drei Kilo abgenommen. Ich habe noch immer ein gutes Gefühl, das nur ein bisschen durch die Tatsache getrübt wird, dass Brawn auf einmal da war und allen um die Ohren fährt. Das war schon überraschend und unerwartet. Jetzt bin ich mal gespannt, ob die das eine Saison durchziehen können."

sid: "Haben Sie eine Erklärung für den Aufstieg von Brawn?"

Heidfeld: "Für mich ist das wirklich ein kleines Wunder. Das Auto wurde natürlich schon lange entwickelt, aber die anderen Teams haben schon viel länger getestet. Dass Brawn dann gleich beim ersten Test rausfährt und schneller ist als alle anderen, war dann schon für alle ein kleiner Schock."

sid: "Sehen Sie dadurch auch eigene Ziele in Gefahr?"

Heidfeld: "Ja, ganz klar."

sid: "Sie haben wegen der vielen Regeländerungen von Expeditionscharakter gesprochen. Wie weit sehen Sie sich auf dieser Expedition?"

Heidfeld: "Am Anfang haben wir die größeren Schritte und Veränderungen gemacht. Es macht in allen Bereichen sehr viel Spaß. Etwa was das Kers betrifft, das etwas komplizierter ist. Am Anfang dachte ich, da drückt man einfach auf einen Knopf und hat immer konstant mehr Leistung. Man muss das schon gut ausbalancieren, dass man die Energie sinnvoll nutzt. Es ist alles deutlich komplexer, als ich mir das vorgestellt habe. Dann sind da noch die neuen Reifen. Das alles in Kombination mit der Fahrbarkeit und der Balance des Autos, das ein ganz anderes Set-up erfordert, ist alles extrem spannend."

sid: "Sie sind in der Formel 1 schon ein alter Hase. Spüren Sie vor dieser Saison einen besonderen Druck?"

Heidfeld: "Nein. Für mich ist es wie immer: Wenn man in der Formel 1 seine Leistung nicht bringt, hält man sich da nicht lange. Ich war schon in Situationen, die deutlich schlechter waren als die jetzige."

sid: "Wie groß ist die Vorfreude auf der erste Rennen in Melbourne?"

Nick Heidfeld: "Die Vorfreude und die Aufregung sind größer als sonst. Es gibt so viele Neuerungen. Man will jetzt einfach wissen, wo man steht und wie es aussieht."

© SID

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