Motorsport
Monsterbuggys heben in der Lausitz ab

Dröhnende Motoren, quietschende Reifen und reichlich PS: Offroad-Rennen sind in den USA der Hit. Jetzt expandiert die Motorsportserie nach Europa - und startet am Freitag auch in Deutschland. Wie ein amerikanischer Traum die heimischen Schlammpisten erobert.

DÜSSELDORF. Wo Jesse James Gas gibt, da wächst kein Gras mehr. Mit mehr als 800 PS krallt sich der Chevy-Truck des Kaliforniers in die Geröllhänge des Lausitzer Tagebaus. James ist der Ehemann von Schauspielerin Sandra Bullock und Eigentümer der Tuning-Schmiede West Coast Choppers in Long Beach. Er gehört zu den Stars der "Baja 300 Powerdays Germany", der größten Offroad-Veranstaltung Deutschlands. Am Freitag startet das Event im größten zusammenhängenden Tagebaugebiet der Welt in Brandenburg. Seit vier Jahren fährt James in den USA in der Offroad-Serie Baja (sprich "Bacha") mit. Das erste Rennen in Deutschland will er sich da nicht entgehen lassen.

Offroad-Rennen sind ein großes Geschäft in den USA und Mexiko. Der Höhepunkt ist die Baja 1000 in Mexiko, die amerikanische Version der Rallye Dakar. Ein Rennwochenende bringt nach Angaben der mexikanischen Tourismusbehörde, dem Hauptsponsor der Baja 1000, den Unternehmen in der Region einen zusätzlichen Umsatz von zwölf bis 14 Mio. Dollar ein. Armin Schwarz, Ex-Audi-Werksfahrer und früherer Rallye-Europameister, will den Extrem-Motorsport jetzt ins beschauliche Brandenburg importieren.

Das Gelände im Braunkohle-Tagebau mit dem 120000 Quadratmeter großen Rennareal liegt rund 90 Autominuten von Berlin entfernt, zwischen den Gemeinden Boxberg in der Oberlausitz und Rietschen. Motorradfahrer, Renn-Trucks und Riesenbuggys wie der 650 PS-Bolide von Schwarz und seinem AGM-Team werden an diesem Wochenende in verschiedene Klassen aufgeteilt die Mondlandschaft durchpflügen und über Rampen springen. Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern sind da keine Seltenheit. Angemeldet haben sich unter anderem auch die Motorrad-Werksteams von BMW Enduro, KTM und Husqvarna. Erfahrene Rallye-Profis wie der Norweger Petter Solberg werden ihre Allrad-Geschosse um die Kurven knechten.

Rallye-Experte Schwarz will eine neue Rennserie in Deutschland etablieren. "Der Autorennsport ist in einer Krise. Er ist zu teuer und zu schwerfällig geworden", sagt er. Eintrittspreise von 100 Euro aufwärts sind bei vielen Rennen keine Seltenheit. Die Folge: Tribünen stehen leer, Strecken sind verwaist. Absperrungen und Gitter trennen die Zuschauer von Fahrern und Wagen. Und die Teams klagen über starre Regeln und hohe Kosten. Das biete Raum für einen Neuanfang.

Klassische Langstrecken-Rallyes sind zudem wenig attraktiv für Zuschauer, Sponsoren und TV-Sender. Lediglich an Start und Ziel sind Aktionen möglich. Schwarz, der 2005 seine Karriere als Rallyefahrer beendete und 2006 als Teammanager bei Skoda arbeitete, träumte lange von einem Offroad-Spektakel auf einem Rundkurs mit Eintrittspreisen unter 20 Euro - mit Campingplatz und Zugang zum Fahrerlager. Zudem sollte jeder mitfahren können, der Qualifikation und Sicherheitsprüfung besteht: egal ob Elektro-Motorrad, Monster-Truck oder Dünen-Buggy.

Nach mehreren erfolglosen Vorstößen beim internationalen Automobilverband Fia hätte Schwarz beinahe aufgegeben. Doch dann lernte er in Las Vegas Sal Fish kennen, den Eigentümer des US-Verbands Score International und Veranstalter der Baja-Serie. Fish war Motorsport-Journalist, bevor er 1973 Score mitgründete. Heute ist er Alleineigentümer. Er gilt als einflussreichster Strippenzieher der Offroad-Szene in den USA.

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