Motto „Alles oder nichts“
Die letzte Chance des Wladimir Klitschko

Wladimir Klitschko greift drei Jahre nach dem Verlust des WM-Titels wieder nach dem Weltmeister-Gürtel im Schwergewicht. Am Samstag will der 30 Jahre alte Ukrainer dem US-Amerikaner Chris Byrd den IBF-Titel entreißen und auf den Schwergewichts-Thron zurückkehren.

HAMBURG. Wladimir Klitschko? Ist das nicht der Sunnyboy, die Werbe-Ikone, der smarte Herr aus der Ukraine? Spricht der nicht eloquent und gescheit drei Sprachen; hat ihm die Jury nicht neulich den „Bambi“ überreicht, für seine medialen Verdienste um den Sport? Alles richtig. Ist der nicht ständig auf Partys und Charity-Veranstaltungen dabei, jedenfalls dann, wenn Kameras auftauchen? Auch nicht ganz falsch. Und einen Doktortitel, hat er den nicht auch? Genau. In Sportwissenschaft. Ebenso wie sein Bruder Vitali, fünf Jahre älter als der „kleine“ Klitschko, der im März 30 Jahre alt geworden ist. All die genannten Attribute werden stets im brüderlichen Doppelpack vergeben.

Die Klitschkos sind ein Traumpaar für die Werbeindustrie, für die Öffentlichkeit schlechthin. Ihren eigenen großen Traum mussten sie im vergangenen Jahr begraben. Beide wollten gleichzeitig Weltmeister im Schwergewichtsboxen werden. Das wäre möglich gewesen, weil vier Verbände jeweils ihren eigenen Champion küren. Aber Vitali konnte seinen errungenen Titel aufgrund einer Verletzung nicht mehr verteidigen und trat 2005 zurück. So gibt es derzeit keinen Schwergewichts-Boxweltmeister namens Klitschko.

Das soll sich am Samstag ändern, wenn Dr. Wladimir Klitschko in der Mannheimer SAP Arena zu seinem bisher 49. Profikampf um den Titel des IBF/IBO-Weltmeisters antritt. Gegner ist der 35 Jahre alte Amerikaner Chris Byrd, gegen den er bereits im Jahr 2000 gewann und damit Weltmeister wurde (nachdem zuvor eben dieser Byrd seinem Bruder, der sich im Kampf eine Schulterverletzung zuzog, den Titel abgenommen hatte). Fünf solide Kämpfe lang behielt Wladimir Klitschko, seinerzeit noch beim Hamburger Universum-Boxstall von Klaus Peter Kohl unter Vertrag, seinen WM-Gürtel – dann traf er am 8. März 2003 als hoher Favorit auf den Südafrikaner Corrie Sanders. Der 39-Jährige Haudege schlug den zwei Meter großen und 110 Kilo schweren Olympiasieger von 1996 in zwei Runden drei Mal zu Boden. Das Ende des Kampfes. Ein Desaster.

Der große Bruder nahm Revanche und schlug seinerseits Sanders K.O. Wladimirs Karriere aber schien nach einem weiteren Knock Out gegen Lamon Brewster im April 2004 in Las Vegas mangels Nehmerqualitäten endgültig in die Sackgasse geraten zu sein. Bis der Mann aus Kiew mit Zweitwohnsitz Hamburg am 24. September vergangenen Jahres in Atlantik City, New Jersey, „endlich zu einem richtigen Kerl“ wurde. Das sagte kein Geringerer als die amerikanische Boxlegende George Foreman. „Big George“ wurde Zeuge, als sich beim Fight gegen den aufstrebenden Samuel Peter, Kampfname „Nigerian Nightmare“, nach drei Niederschlägen in Runde fünf und zehn für Klitschko der Alptraum einer weiteren verheerenden Niederlage abzeichnete.

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