Nach 1997
Ullrich setzt zum „zweiten Streich" an

Jan Ullrich will im siebten Anlauf zur Tour de France zum "zweiten Streich" nach seinem Toursieg 1997 ansetzen. Nach Abgang von Lance Armstrong ist der T-Mobile-Kapitän trotz kurzer Vorbereitung voller Selbstbewusstsein.

Die Vorbereitung zum zweiten Toursieg nach 1997 war kurz, aber konsequent: Jan Ullrich hat sich für die anstehende Tour de France hohe Ziele gesteckt. Damals, als "der junge Mann aus Rostock" als erster Deutscher das schwerste Rennen der Welt gewann, schien sein Platz an der Sonne auf Jahre hinaus garantiert. Stattdessen erlebte die Radsportwelt 1998 den Sturz des hohen Favoriten durch Marco Pantani und dann den Beginn der Ära Lance Armstrong 1999.

Nach dessen Abgang will es der T-Mobile-Kapitän noch einmal wissen. Zum neunten Mal seit 1996 geht er an den Start, war fünfmal Zweiter, einmal Dritter und stand nur 2004 einmal als Vierter nicht auf dem Podium in Paris. Es ist mit nun 32 Jahren sein siebter Anlauf zum "zweiten Streich", noch im besten Rundfahrt-Alter, und der Gewinn der Tour de Suisse hat ihm zusätzliche Zuversicht gegeben.

Zudem scheint die "Große Schleife" 2006 für ihn mehr als für den größten Konkurrenten Ivan Basso maßgeschneidert, mit zwei langen Zeitfahren und "nur" vier schweren Bergetappen. Es könnte also noch einmal reichen. Wenn seine Moral durch die Dopingspekulationen der letzten Tage nicht gelitten hat.

Zeitfahrsiege belegen Ullrichs Form

Wegen einer Knieverletzung war der Saisoneinstieg erst Ende April erfolgt. An Kraft fehlt es trotz der kurzen Vorbereitung nicht, wie die Zeitfahrsiege bei Giro und Tour de Suisse belegen. Doch erst in drei Wochen wird man wissen, ob die Substanz auch für Pyrenäen und Alpen reicht.

Zwar hat es Ullrich an Kampfgeist fast nie gefehlt, doch an den höchsten Anstiegen reicht das allein nicht aus. Es gilt, dort den Rückstand in Grenzen zu halten. Das Polster dazu muss beim Kampf gegen die Uhr geschaffen werden. Die erste Gelegenheit bietet sich auf der siebten Etappe, also vor den ersten Bergen.

Die zweite kommt am vorletzten Tag, wenn die letzten Reserven mobilisiert werden müssen. Ullrich wird nachgesagt, das zum bis Ende der Rundfahrt am besten zu können. Doch das nützt nur, wenn Basso dann noch in Reichweite ist.

Sieg reine Kopfsache

Gut möglich, dass sich letztlich alles im Kopf entscheidet. Seine großen Erfolge hat der Deutsche errungen, wenn er nicht in der Favoritenrolle war. Das galt für die Tour 1997, die Vuelta 1999, für Olympia 2000, speziell für den zweiten Platz bei der Tour 2003. Als im Comeback-Jahr keiner auf ihn setzte, hatte er Armstrong am Rand der Niederlage. Bis der Sieg zum Greifen nahe war und Ullrich auf einmal wieder blockiert schien.

Mit dem Ruf des "sympathischen Zweiten" schien er immer sehr zufrieden zu sein. Kann das "Jahrhunderttalent" diesmal aus seiner Haut schlüpfen und die Rolle wechseln?

© SID

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