Nach Doping-Gerüchten
IBU sperrt zwei russische Biathleten für Olympia

Russlands Biathlon-Verband ist nach weiteren Doping-Verdächtigungen vorerst glimpflich davongekommen. Zwar wurden zwei Olympia-Starter gesperrt. Doch das große Reinemachen blieb zunächst aus.
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MünchenRusslands Biathleten sind nach den schockierenden Doping-Enthüllungen um eine Kollektivstrafe herumgekommen. Zwei der 31 verdächtigen Russen wurden vom Weltverband IBU vorläufig gesperrt. Es handelt sich um Olympiastarter – Namen wurden jedoch nicht genannt. Die IBU leitete zudem „formelle Untersuchungen“ gegen den russischen Verband und 29 der im McLaren-Report genannten Sportler ein. Auf eine Suspendierung wurde zunächst verzichtet. Dies teilte der Weltverband nach einer Vorstandssitzung in München mit. 31 russische Skijäger waren zuvor im McLaren-Report als dopingverdächtig genannt worden.

Um einem Boykott von anderen Länder zuvorzukommen, gab der russische Biathlonverband die Juniorenweltmeisterschaft in Ostrow und den Weltcup in Tjumen im März 2017 zurück. „„Ich hatte vor allem befürchtet, dass unsere Sportler disqualifiziert werden. Gut, dass es die Biathleten nicht betrifft“, sagte Vorstandsmitglied Alexander Tichonow nach Angaben der Agentur Tass in Moskau.

IBU-Chef Anders Besseberg erklärte, die Rückgabe der Veranstaltungen sei ein erster wichtiger Schritt der russischen Biathlon-Union, „um der IBU und der Welt des Sports zu zeigen, dass die aktuelle Situation sehr ernst genommen“ werde. Die für 2021 geplante Weltmeisterschaft in Tjumen wurde allerdings zunächst nicht angetastet. Der Bob- und Schlittenverband hatte zuletzt Sotschi die WM im Februar 2017 entzogen und nach Königssee verlegt.

Erst am Donnerstag vor einer Woche hatte Besseberg die Doping-Vorwürfe gegen die 31 russischen Skijäger öffentlich gemacht. Eine fünfköpfige Expertengruppe aus fünf Nationen hatte danach die Indizien aus dem WADA-Bericht überprüft. Nach der Ergebnispräsentation sagte Besseberg: Die Ergebnisse des McLaren-Berichts würden schwere Probleme im russischen Sport und im Anti-Doping-Kontrollsystem zeigen. Doch allein der Verdacht reiche nicht aus, um zu sanktionieren. Die Regeln müssten „für die Schuldigen und für die Unschuldigen“ gelten.

Mehr als 1000 russische Sportler waren nach Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur zwischen 2011 und 2015 Teil der staatlichen Dopingpolitik. Es wurden Beweise gefunden, dass Dopingproben von insgesamt zwölf Medaillengewinnern der Sotschi-Spiele 2014 manipuliert wurden. Vier Olympiasieger seien dabei gewesen, hatte WADA-Chefermittler Richard McLaren am 9. Dezember in London mitgeteilt.

Von den 33 russischen Olympia-Medaillen in Sotschi gingen vier an die Skijäger. Einmal war auch Biathlon-Gold dabei. In der Staffel besiegten Alexei Wolkow, Jewgeni Ustjugow, Dmitri Malyschko und Anton Schipulin das deutsche Silber-Quartett um Schlussläufer Simon Schempp. Schipulin hatte zuletzt erklärt: „Mein Gewissen ist rein.“

Schon vor dem Doping-Gipfeltreffer der Biathlon-Topfunktionäre waren die Russen in die Offensive gegangen. Man arbeite seit Jahren eng mit der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zusammen und sei kooperationsbereit, hatte der Verband in einer Erklärung geschrieben.

Ein Beleg für den Anti-Doping-Kurs sei auch die Anstellung der deutschen Trainer Ricco Groß und Wolfgang Pichler gewesen, „die wohl kaum bereit gewesen wären, ihre Reputation aufs Spiel zu setzen“. Der Ruhpoldinger Pichler hatte Russlands Damen bis Sotschi 2014 betreut, sein Kollege Groß ist momentan Cheftrainer der russischen Männer. Er hat immer wieder betont: „Wer betrügt, der fliegt.“

In den letzten Tagen war der Druck auf die IBU mit Boykott-Aufrufen von Spitzenathleten und Verbänden erhöht worden. Letztmals waren die anderen Länder im Jahr 2009 so massiv gegen die Russen vorgegangen. Damals waren drei russische Weltklasseathleten überführt und gesperrt worden. Gleich 23 Nationen hatten die IBU damals in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Die RBU war jedoch mit einer Geldstrafe von 50.000 Euro davongekommen. 2014 gab es dann wegen weiterer Vergehen die Doping-Höchststrafe von 100.000 Euro.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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