Nach großen Erwartungen
Radteam Bora zieht durchwachsene Zwischenbilanz

Die 104. Tour de France war für Bora-hansgrohe die gern zitierte Berg- und Talfahrt. Dem Etappensieg von Weltmeister Sagan folgten herbe Rückschläge. Der vorläufige Tiefpunkt: Ex-Fahrer Matzka ist wohl Dopingsünder.
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EymetDer Einstand als neues WorldTour-Team bei der Radsport-Gala Tour de France war für Bora-hansgrohe äußerst vielversprechend. Großer Jubel zum Heimspiel-Auftakt in Düsseldorf, eindrucksvoller Etappensieg durch Peter Sagan am dritten Tag in Longwy. Doch dann ging's rapide bergab – nicht nur sportlich. Die von Mittelständlern finanzierte Formation aus Raubling wirkt im großen Radsport-Zirkus zuweilen überfordert.

Weltmeister Sagan flog nach seinem Check im Schlusssprint gegen Mark Cavendish in Vittel aus dem Rennen. Der gescheiterte Eilantrag vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS auf Wiedereingliederung ins Rennen wurde größtenteils belächelt. Durch einen Sturz auf dem Weg nach Chambéry verlor die junge deutsche Mannschaft in Rafal Majka am vergangenen Sonntag ihren zweiten Kapitän.

Zur Tour-Halbzeit wurde obendrein die 16 Monate gärende Doping-Affäre um den ehemaligen Bora-Profi Ralf Matzka bekannt. Bei solchen Einschlägen verständlich, dass das Krisenmanagement des Emporkömmlings bisweilen semiprofessionell erscheint.

„Das Schlimme ist, dass der Weltverband im Fall Matzka fast eineinhalb Jahre kein Urteil fällt. Wir mussten ihn schützen und haben ihm nach Bekanntwerden der positiven A-Probe im April 2016 aus dem Rennbetrieb herausgenommen“, sagte Team-Manager Ralph Denk der Deutschen Presse-Agentur. Matzkas Vertrag wurde nicht mehr verlängert.

„Bei EPO oder Testosteron wäre er sofort geflogen“, meinte der Teammanager. „Seine Karriere war sowieso kaputt, er hatte keinen Bock mehr auf Radsport. Er hat eine Familie gegründet und studiert jetzt“, erklärte Denk, der auch mit einem sportgerichtlichen Freispruch rechnet. Man habe den „Eindruck, der Rennstall wollte etwas verbergen“, sagte Bora-Ex-Profi Paul Voß als ARD-Kommentator.

Die positive Probe auf Tamoxifen, ein auch als Verschleierungsmittel benutzbares Anti-Brustkrebs-Präparat, kam zum ungünstigsten Zeitpunkt. Denk lag in den letzten Zügen seines Finanz-Coups für die Saison 2017. Er habe den Fall jetzt bekanntgemacht, weil „ich danach gefragt worden bin. Wenn ich gefragt werde, sage ich die Wahrheit. Bei uns ist alles transparent“, erklärte er.

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