Nach sieben Jahren boxt Axel Schulz wieder
Das inszenierte Comeback

Die „Nacht der Antworten“. So lautet das vom übertragenden Fernsehsender RTL ausgegebene Motto, wenn Schwergewichtler Axel Schulz am Samstag nach sieben Jahren Box-Abstinenz wieder in den Ring steigt, um mit dem Amerikaner Brian Minto die Fäuste zu kreuzen. Aber wie lauten die Fragen, die im Gerry Weber Stadion im westfälischen Halle beantwortet werden sollen? Vielleicht so: Was soll das Ganze eigentlich? Kann der Kampf mehr als ein medial hoch gepuschter „Event“ ohne seriösen sportlichen Wert sein?

DÜSSELDORF. Genau das bezweifeln die wirklichen Fachleute vor dem Kampf des 38-jährigen Schulz gegen den sieben Jahre jüngeren Minto. Der hat einen Kampfnamen: „The Beast“. Schulz hatte dergleichen nicht im Gepäck, mit dem er Mitte letzter Woche aus Florida zurück in heimische Gefilde gekommen ist. Dafür hat er ein Image. Und ein Gemüt. Beides so sonnig wie zumeist das Klima in Sarasota, wo Schulz sich das vergangene halbe Jahr überwiegend auf sein Comeback vorbereitet hat. „So hart wie noch nie vor einem Kampf“, wie er sagt. Klar meine er das alles höchst ernst, „ick will es für mich selbst noch einmal wissen.“ Überhaupt sei er „so geil auf das Boxen wie noch nie.“

Axel Schulz` Sprache ist unverrenkt, volksnah. Der Mann aus Frankfurt/Oder ist everybodys Strahlemann, kocht gern in Fernsehstudios, hat in den vergangenen Jahren in fast jeder Talk- und sonstiger Unterhaltungsshow Frohmut verbreitet, reüssierte sogar als Schauspieler im einen oder anderen „Tatort“.

Im vorliegenden Fall gibt es aber ein kleines Problem: „Als Boxer ist Axel eben nur durchschnittlich begabt.“ Das Zitat ist nicht mehr ganz frisch, schon sieben Jahre alt. Es stammt von Manfred Wolke. Der trainierte nicht nur den „Gentleman“ Henry Maske während dessen Ära als Weltmeister, sondern eben auch Schulz zu Zeiten, da dieser insgesamt sechs Mal versuchte, sich einen Welt-, zumindest einen Europameistertitel zu erkämpfen. Stets vergeblich.

Das letzte Mal 1999 gegen Wladimir Klitschko. Der ist heute Weltmeister der IBF. Damals ging es um die EM, und Klitschko verprügelte Schulz nach allen Regeln der Boxkunst. „Det war’s dann“, erkannte Schulz damals. Ein zwar schmerzhafter, aber logischer Abschluss der Karriere, die ihren Höhepunkt vier Jahre zuvor hatte, als Schulz, diesmal beim Kampf um die WM, in Las Vegas gegen George Foreman nur höchst umstritten nach Punkten verlor. Die amerikanische Boxlegende aber war bereits 46 Jahre alt und hatte den Titel im Jahr zuvor zum zweiten Mal erobert.

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