Nach Sperren und Klagen
Die Football-Liga in der Krise

Bonus für Gewalt, Gehirnerschütterungen, Spätfolgen: Tausende Ex-Spieler klagen gegen die NFL. Die Liga reagiert mit einem Programm, das Stars auch nach der Karriere begleitet. Das Business selbst bleibt unangetastet.
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DüsseldorfDie Liga der Superlative hat Riesenprobleme. Noch immer hat Commissioner der National Football League, Roger Goodell, 140 Schadensersatzklagen von mehr als 3000 ehemaligen Spielern und mehr als 2000 Angehörigen abzuarbeiten. Die fünftausend Kläger werfen der NFL vor, die Gesundheit der Spieler jahrzehntelang vorsätzlich gefährdet zu haben.

Meist geht es dabei um Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche, Bänderrisse, Gehirnerschütterungen und gesundheitliche Langzeitschäden sowie weitreichende Spätfolgen wie Demenz und Depressionen. Tony Dorsett, Ex-Star der Dallas Cowboys, berichtet gar davon, einmal „halb tot“ aufs Spielfeld zurückgekehrt zu sein, ohne dass ein Teamverantwortlicher eingegriffen habe.

Noch Aktive wie Troy Polamalu (Pittsburgh) gestehen, Gehirnerschütterungen wann immer möglich zu kaschieren. Das werde beim Football, der von seinem Image des harten Sports lebt, so erwartet. Außerdem soll es, so berichtet die NZZ, bei den New Orleans Saints ein Bonussystem gegeben haben, das vorsätzliches Verletzen des Gegners belohnt haben soll.

Wenn die Karriere als Star-Quarterback oder -Verteidiger in der schillerndsten Liga der Welt zu Ende ist, fallen viele NFL-Spieler in ein Loch, machen trotz der fetten Jahre im Rampenlicht Schulden, kommen mit dem Alltag nicht klar. Finanzielle Probleme, Perspektivlosigkeit, körperliche Beschwerden: Das ist der Alltag vieler ehemaliger NFL-Spieler.

„Den Sportlern fehlte das Wissen, um zu entscheiden, ob sie das Risiko auf sich nehmen wollten“, sagte Rechtsanwalt Richard Lewis, der 106 der Kläger vertritt laut dem Deutschlandradio.

Troy Vincent will das ändern. Für den Vizepräsidenten der Abteilung NFL Player Engagement (NFLPE) und Ex-Washington Redskins-Cornerback haben die drei Buchstaben NFL neben „National Football League“ eine zweite Bedeutung: „Notice for life“. Die Aufmerksamkeit ein Leben lang will er seinen Footballstars erhalten – durch ein Player-to-Player-Modell.

Er setzt dabei beim Spieler an, nicht bei der Funktionslogik des „Höher, schneller, weiter“, die für Rekord-Einnahmen des zu den lukrativsten in der Sport-Welt überhaupt zählenden Sports sorgt.

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