Nach tödlichem Unfall
America's Cup steht auf der Kippe

Nach dem tödlichen Unfall steht der 34. America's Cup auf der Kippe. Testfahrten wurden abgesagt, ein Nachwuchsteam ist bereits abgesprungen. Hauptproblem ist das neue High-Tech-Boot, ein kaum zu bändigendes Monster.
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San FranciscoEs war mit 15 bis 20 Knoten windig am Donnerstag, aber nicht stürmisch, als die schwedische Artemis-Jacht zu ihrer Testfahrt in die Bucht vor San Francisco aufbrach. Bei einem komplizierten Segelmanöver geschah dann das Unfassbare. Die riesige Rennjacht mit ihren 22 Metern Länge und maximal 580 qm Segelfläche am Wind tauchte mit der Nase ins Wasser, stellte sich auf und zerbrach. Die zwölf Besatzungsmitglieder wurden ins eisige Wasser geschleudert, elf erreichten die rettenden Begleitschiffe, aber Andrew Simpson nicht. Als er nach über zehn Minuten unter den Trümmern des Boots hervorgezogen wurde, war es schon zu spät. Der 36-jährige Rekordsegler und Olympiagewinner war tot. Es ist erst der zweite Todesfall in der 162-jährigen Geschichte des Cups.

Noch ist der Grund für das Unglück nicht klar. Ein Manövrierfehler? Technische Probleme der Konstruktion? Ein gebrochenes Bauteil? Die Untersuchungen laufen. Aber die Frage steht im Raum: Wie soll es weitergehen?

Der Teamchef des italienischen Luna Rossa-Teams, Patrizio Bertelli, weiß nur eines: „So wie es jetzt ist, ist es nicht gut“, erklärte er schockiert in einem Interview mit der italienischen  Yacht-Online, „Die Verantwortlichen müssen das erkennen. Nicht jeder hat mitbekommen, dass wir uns von einem romantischen America's Cup zu einem extremen mutiert sind. Wir sind wie die Formel 1.“

Torbjörn Törnquist, Chef des betroffenen Artemis-Teams schlägt leise Töne an: „Unsere Gedanken sind bei der Famile von Andrew“, heißt es in einem Statement und man werde eine „sorgfältige Untersuchung und Analyse“ des Vorfalls vornehmen. Danach werde man sehen, wie man die „Risiken eines solchen Wettkampfrennens begrenzen und die Sicherheit aller Teilnehmer verbessern“ könne.

Regatta-Direktor Iain Murray erklärte in einer Pressekonferenz am Freitag, man müsse noch herausfinden, was genau geschehen sei Ansonsten seien Seeleute trainiert, „den Ozean zu jeder Sekunde zu respektieren.“

Verglichen mit ihrem Vorgänger sind die AC72-Katamarane Giganten. Die alte AC45-Schiffe bringen gerade Mal 133 Quadratmeter Segel an den Wind, der Mast erreicht mit 21 Metern nur knapp die Hälfte der 40 Meter des High-Tech-Flügels der AC72. Er wiegt alleine 5,8 Tonnen und flattert auch nicht im Wind, wie ein gewöhnliches Segel. Er ist starr wie der Flügel eines Jumbo-Jets, er hat sogar Klappen wie ein Flugzeugflügel, was zu den enormen Geschwindigkeiten verhilft. Allerdings verlangt diese Technik ein extremes Maß an physischer Anstrengung und Maschinerie um sie unter Kontrolle zu halten.

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  • Wer die Grenzen der Physik extrem austesten will, muß zwangsläufig mit einem katastrophalen Ausgang der Experimente rechnen. Das ist nicht tragisch, sondern das ist das Ergebnis menschlicher Überheblichkeit.

  • Wenn man High-Tech nicht beherrscht, sollte man eben Low-Tech verwenden...

  • So tragisch das ist, Larry macht beste Werbung für die solide europäische Konkurrenz.

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