Nachgefragt: Jochen Rölfs: „Wir haben unter jeden Stein gesehen"

Nachgefragt
Jochen Rölfs: „Wir haben unter jeden Stein gesehen"

Jochen Rölfs, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater aus Düsseldorf, äußerte sich im Handelsblatt-Interview über die aktuelle Situation bei Borussia Dortmund.

HB: Herr Rölfs, am Wochenende haben die BVB-Kicker haushoch verloren. Muss das Spieler-Kapital schon wieder abgewertet werden?
Jochen Nein. Nach den massiven Wertberichtigungen des vergangenen Jahres sehe ich keinen Bedarf. Im übrigen: Fußballer sind immer etwas wert, die können sie in einer Bilanz nie auf Null abschreiben. Irgendwann schießen sie Tore, und ihr Marktwert steigt wieder.

Abgeschrieben hatten auch die 67 Geldgeber den BVB.
Wir haben am Ende alle überzeugt, dem Zinsmoratorium zuzustimmen und Rückzahlungen zu stunden. Fast alle Gläubiger sind sogar bereit, frisches Geld zur Verfügung zu stellen.

Wie viel?
Knapp sechs Millionen Euro.

Das Moratorium bedeutet,. . .
. . . dass die befürchteten 29 Millionen Euro Risiko nicht eintreten. Die Gläubiger halten 18 Monate still und haben akzeptiert, nur noch vier Prozent Zinsen für ihr Geld zu bekommen. Eine wichtige Voraussetzung für die Sanierung.

Das Desaster kommt nur stückweise ans Tageslicht. Drohen weitere Überraschungen?
Wir haben unter jeden Stein gesehen. Ich glaube, da kommt nichts mehr. Wenn sich herausstellen sollte, dass der Vorstand etwas verschwiegen hat, würde ich meinen Sanierungsplan auch sofort zurückziehen.

Die Überschuldung zeichnet sich schon lange ab. Droht dem Management ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung?
Nach meiner Einschätzung nicht. Bis zuletzt gab es immer wieder Gläubiger, die nach Gesprächen mit dem Management bereit waren, ihre Forderungen auszusetzen. Auf diese Weise wurde die gesetzlich vorgeschriebene Erklärungspflicht nicht wirksam.

Woher nimmt der BVB jetzt die fünf Millionen Euro für die Vorbereitungen zur Fußball-WM?
Ideen gibt es genug. Es fehlt eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Wenn die Sanierung jetzt erfolgreich anläuft, hoffe ich, dass Ministerpräsident Peer Steinbrück sich das noch einmal überlegt.

Die Fragen stellte D. Fockenbrock.

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