Nesthäckchen
„Ich bin bei den besten Sportlern der Welt“

Wenn Eisschnelllauf-Star Anni Friesinger im Frühstückssaal an ihr vorbei läuft, kommt Jenny Tamas der Aufenthalt im Olympischen Dorf noch immer wie ein wunderbarer Traum vor.

HB TURIN. "Ich konnte mir das gar nicht vorstellen. Zwickt mich mal alle", sagt die Verteidigerin der Eishockey-Nationalmannschaft nach den ersten Tagen in Turin, wo sie mit gerade einmal 16 Jahren das jüngste Mitglied im 161-köpfigen deutschen Olympia-Team ist.

"Ich konnte es erst gar nicht glauben. Das ist ein komisches Gefühl, aber ganz cool. Ich bin mächtig stolz", sagt Jenny Tamas nach dem ersten Training in der Turiner Messehalle mit verschwitzten, dunklen Haaren, zwischen denen die braunen Augen leuchten. "Ich bin bei den besten Sportlern der Welt und habe schon eine Menge berühmter Leute gesehen: Erst im Fernsehen und jetzt in echt."

Die Tochter ungarischer Eltern, die in Herford geboren wurde, aber seit einem Jahrzehnt in Schweinfurt lebt, nahm mit drei Jahren erstmals einen Eishockey-Schläger in die Hand. Vater Gabor, in seiner Heimat einst Junioren-Auswahlspieler, kam wegen der Herforder Puckjäger nach Deutschland und ging dann als Trainer zum ERV Schweinfurt. Dort blieb Tochter Jenny bei den Bambinis als einziges Mädchen übrig und musste sich fortan gegen die Jungs behaupten.

Das macht sie so gut, dass Bundestrainer Peter Kathan die für einen Monat freigestellte Gymnasiastin etablierten Spielerinnen vorzog und schon vor dem 16. Geburtstag am 18. Januar mit dem Olympia-Ticket belohnte. "Sie spielt bei uns, als ob sie noch nie weg gewesen wäre", sagt der Vater von Nationalspieler Klaus Kathan. Mit Talenten wie Jenny Tamas will er die deutschen Frauen nach Platz fünf bei der vorigen WM kontinuierlich näher an Schweden und Finnland heranführen, die hinter den unerreichbaren Nordamerikanerinnen zuletzt die dritten Plätze bei großen Turnieren ausspielten.

Die Eltern der 1,73 Meter großen und 71 Kilogramm schweren Jenny Tamas werden nach Turin kommen, wo am Samstag gegen Finnland der erste Auftritt der DEB-Frauen steigt. Die Klassenkameradinnen der Zehntklässlerin schauen daheim im Fernsehen zu. Angeben will sie nach der Rückkehr nicht. "Man darf nicht abheben", betont Jenny Tamas, die später gern zur Bundeswehr gehen würde, um dank der großzügigen Trainingsmöglichkeiten eventuell die Basis für eine Karriere als professionelle Eishockey-Spielerin zu legen. Auch in Turin hat sie sich noch längst nicht alle Wünsche erfüllt. "Der größte Traum", sagt Jenny Tamas, "ist Bronze." Und ein Treffen mit Kanadas letztjährigem WM-Torschützenkönig Rick Nash, der kommende Woche erwartet wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%