Neue Verfahren
Wada startet Dopingtest-Offensive

Polizei-Razzien im Olympischen Dorf, in Handschellen abgeführte Athleten, Ärzte oder Trainer im Kreuzverhör von Staatsanwälten - der Anti-Doping-Kampf könnte bei den Olympischen Winterspielen eine neue wie fragwürdige Qualität bekommen.

HB TURIN. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada wird mit neuen Testverfahren auf die Jagd nach Betrügern gehen. Das kündigte WADA-Präsident Richard Pound in einem Interview mit der Schweizer Zeitung "Tages-Anzeiger" an.

Vergeblich hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf seine Hoheit bei der Bekämpfung der Sportgeißel gepocht: Das seit fünf Jahren in Italien gültige Anti- Doping-Gesetz wird für die Zeit der Spiele nicht suspendiert.

"Das Gesetz gilt. Wie deren Möglichkeiten genutzt werden, hängt von den italienischen Behörden ab", sagte IOC-Mitglied Thomas Bach. "Ich hoffe aber, das die Integrität des Sports bewahrt wird." Auch IOC-Präsident Jacques Rogge hätte es lieber gesehen, wenn Italiens Staat sich aus den Doping-Angelegenheiten raushalten würde: "Das ist eine Frage der Sportethik und nicht ein kriminelles Problem." Die von Doping-Skandalen erschütterten europäischen Nachbarn blieben jedoch strikt auf der harten Linie. "Wenn jemand wegen der anderen Anti- Doping-Gesetzgebung nicht zu den Spielen kommt, heißt dies, dass er etwas zu verbergen hat", konterte Gianni Petrucci, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Italien (CONI).

Anti-Doping-Razzien der italienischen Polizei im Olympischen Dorf oder den Sportlerkabinen befürchtet der Kanadier Pound jedoch nicht. Zugleich verteidigte Pound die Entscheidung, im Kampf gegen Doping auch auf bezahlte Informanten zu setzen. "Wir haben einige neue Test für Designer-Steroide, die bisher noch nicht nachgewiesen werden konnten. Der eine oder andere Athlet könnte in Turin eine Überraschung erleben wie die Langläufer Johann Mühlegg, Larissa Lazutina und Olga Danilowa in Salt Lake City, die nicht wussten, dass wir einen Nachweis für das EPO-Derivat Darbepoetin besitzen und uns prompt ins Netz liefen", sagte Pound.

Durchsuchungen in den Sportlerunterkünften und-kabinen, wie sie unter anderem beim Giro d "Italia stattgefunden haben, hält der Wada-Chef für unwahrscheinlich. "Wenn jemand behauptet, Pound horte in seinem Zimmer EPO, dann wird die Polizei wahrscheinlich schnell vor der Tür stehen. Aber an Razzien im Dorf oder in Kabinen glaube ich nicht", erklärte der 63-jährige Kanadier.

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