Neuer Job als Berater
Jan Ullrich gibt auf

Der unter Dopingverdacht stehende Radprofi Jan Ullrich hat seinen Rücktritt erklärt. Der 33 Jahre alte Tour-de- France-Sieger von 1997 verkündete am Montag bei einer Pressekonferenz in einem Hamburger Hotel seinen Rückzug vom Leistungssport.

HB HAMBURG. Seit seiner Suspendierung am 30. Juni 2006 kurz vor dem Start der Tour de France bestritt Ullrich kein Rennen mehr. „Ich beende heute meine aktive Karriere“, sagte Ullrich. Künftig wird er als „Berater, Werbeträger und Repräsentant“ für das zweitklassige österreichische Team Volksbank tätig sein.

Zuvor hatte er schwere Vorwürfe gegen Verbände, Funktionäre und Medien und deren Verhalten in seiner Dopingaffäre erhoben: „Ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher.“ Ullrich wies erneut alle Anschuldigungen gegen ihn zurück. „Ich hab mir nichts vorzuwerfen. Ich habe in meiner ganzen Karriere keinen betrogen und geschädigt“. Er sei fit und hätte sofort eine Lizenz erhalten können. Zugleich richtete Ullrich scharfe Kritik an den Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping. Dieser habe sich in seiner erfolgreichen Zeit gerne mit ihm ablichten lassen und ihn nun fallen lassen. Personen wie Scharping „tun dem Radsport nicht gut“, sagte Ullrich.

Nach seiner Erklärung vor Mikrofonen und Kameras ließ Ullrich keine Fragen zu. Für Montagabend war er als Gast der Sendung „Beckmann“ im ARD-Fernsehen angekündigt.

Der einzige deutsche Tour-Gewinner war wegen seiner Verwicklungen in den Dopingskandal um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes von der Tour 2006 ausgeschlossen und am 21. Juli von seinem T-Mobile-Team fristlos entlassen worden. Diese Entscheidung bezeichnete Ullrich als „Vorverurteilung gegenüber uns Sportlern, die es vorher noch nie gegeben hat und die es in einem Rechtsstaat nicht geben sollte“. Mit der Suspendierung sei seine Sportlerwelt zusammengebrochen, was er bis heute nicht richtig verkraftet habe. Dem in der Schweiz lebenden Ullrich wird vorgeworfen, sich über Jahre bei Fuentes mit manipulierten Blutkonserven und diversen Doping-Mitteln eingedeckt zu haben.

Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ullrich wegen Betrugsverdacht zum Nachteil seines früheren Arbeitgebers T-Mobile. Im September hatten das Bundeskriminalamt und die Bonner Staatsanwaltschaft Ullrichs Wohnsitz in Scherzingen in der Schweiz durchsucht. Er frage sich, warum bisher kein Strafverfahren gegen ihn eröffnet worden sei, sagte Ullrich. An seinem Wohnort droht ihm weiter ein Sportgerichtsverfahren des Schweizer Radsport-Verbandes Swiss Cycling.

Ullrich hatte 1995 seine Profilaufbahn bei Telekom begonnen. Zu seinen größten Erfolgen zählen neben dem Sieg bei der Tour 1997 unter anderem der Olympiasieg 2000 in Sydney und die beiden WM-Titel im Zeitfahren 1999 und 2001.

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