NFL-Teams drohen
Steuergelder her oder wir sind weg

Football ist ein florierendes Geschäft. Städte und Teams profitieren vom Geflecht aus Eintrittsgeldern, Merchandising und Gastronomie. Entsprechend begehrt sind die raren Lizenzen – was die Klubs eiskalt ausnutzen.
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DüsseldorfDer Mann für die Paukenschläge hat wieder zugeschlagen. Mitten in der drögen Vorbereitung zur neuen Saison der National Football League (NFL) machte der US-Milliardär Jerry Jones das, was er am liebsten tut: Schlagzeilen. Der Eigentümer des amerikanischen Profiteams Dallas Cowboys ist in der Footballwelt bekannt für markige Sprüche und ein locker sitzendes Portemonnaie. Nun hat der 70-jährige Investor einen neuen Coup gelandet: Er schloss mit dem Mobilfunkriesen AT&T einen Namensvertrag für sein Stadion ab, der alle Rekorde bricht.

Der Texaner steht wie kein Zweiter für die Cash-Maschine NFL. Mit dem gigantischen Cowboys Stadium, das nun künftig AT&T Stadium heißen wird, hat er sich ein Denkmal bauen lassen: 80.000 Sitzplätze, ein über 1000 Quadratmeter großer HD-Bildschirm, Baukosten in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar. Das Stadion hat schon mit der Ausrichtung der Super Bowl 2011 ein profitreiches Event beherbergt. Der neue Coup mit dem amerikanischen Mobilfunkanbieter verspricht noch mehr Profit: Die Dallas News beziffert den Namensdeal auf 17 bis 19 Millionen Dollar pro Jahr, eine bis dato einmalige Summe.

Aber das waren nicht die einzigen Neuigkeiten, die Jerry Jones aus dem Ärmel zog: Nach der Bekanntgabe des Rekorddeals plauderte der Geschäftsmann zudem aus, dass er einen Umzug von gleich zwei NFL-Teams nach Los Angeles nahen sehe. Damit befeuerte Jones anhaltende Spekulationen um ein Footballteam in der kalifornischen Metropole.

Das nach New York zweitgrößte Einzugsgebiet in den USA dürstet nach American Football.  Seit 1994, als plötzlich beide in Los Angeles stationierten Teams die Stadt verließen, hat hier kein Spiel der Football-Profiliga mehr stattgefunden.

Die Sehnsucht nach einem Team in der Nähe der Hollywood Hills ist da, und die Ownership Struktur der amerikanischen Profiligen ermöglicht, dass Teams aus reinen Profitgründen ihre Heimat verlassen und gen Westen ziehen könnten. Die einzige Bedingung: Das Team muss beweisen können, in der bisherigen Heimat alle Möglichkeiten einer finanziellen Einigung ausgeschöpft zu haben. Als Trumpfkarte spielen die Eigentümer dabei stets die Stadionfrage in der alten Heimat: Sie setzen den lauter werdenden Ruf nach einer Franchise im lukrativen Los Angeles als Druckmittel ein, um ihre Arena mit Steuergeldern zu renovieren oder komplett neuzubauen.

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