NHL-Lockout
US-Eishocheyliga sperrt ihre Spieler aus

Die amerikanische NHL ist ein Multi-Milliarden-Geschäft. Umso härter wird um die Gehälter der Spieler gekämpft: Weil sich Eigner und Sportler nicht einigen konnten, liegt die Liga vorerst komplett auf Eis.
  • 0

BostonDas Wunder im Arbeitskampf ist ausgeblieben, Sturheit und Starrsinn haben vorerst gesiegt. Nach dem dritten Lockout seit 1994 liegt das Tagesgeschäft in der Eishockey-Profi-Liga NHL lahm. Weil sich Teambesitzer und Spielergewerkschaft NHLPA bereits zur Wochenmitte in New York nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen konnten, ließen beide Seiten die restlichen 48 Stunden bis zum Ende des alten Arbeitskontraktes ohne weitere Gespräche verstreichen. Am Samstag um Mitternacht (Ortszeit) machten die Eigner ihre Drohung war und sperrten die rund 700 Profis aus. Experten meinen, dass der Lockout bis Jahresende dauern könnte.

„Es war zu erwarten, dass ein Lockout kommen wird. Jetzt müssen wir halt abwarten und schauen, wie die Verhandlungen weitergehen“, sagte Dennis Seidenberg (Boston Bruins) der Nachrichtenagentur dpa. Wann sich beide Seiten jedoch wieder an einen Tisch setzen werden, ist derzeit offen. Am 21. September sollten die Trainingscamps beginnen, am 11. Oktober die Saisonspiele.

Die NHLPA zeigte sich am Samstag zu weiteren Gesprächen in New York bereit, wurde von der Gegenseite jedoch abgewiesen. „Die NHL teilte uns mit, dass man keinen Grund für ein Treffen sehe“, sagte Steve Fehr. Den Spielern ist durch die Aussperrung ab sofort das Betreten der Vereinsgelände untersagt. Zahlreiche Profis, unter ihnen Sidney Crosby von den Pittsburgh Penguins, hatten angekündigt, im Fall eines Lockouts in Europa spielen zu wollen. Crosbys Teamkollege Jewgeni Malkin hat bereits bei seinem Heimatverein Metallurg Magnitogorsk mittrainiert; er will am Donnerstag in der russischen KHL auflaufen.

Auch Christian Ehrhoff zieht es aufs heimische Eis. Der Verteidiger der Buffalo Sabres wollte am Sonntag nach Deutschland fliegen, um sich den Krefeld Pinguinen anzuschließen, mit denen er 2003 deutscher Meister wurde. „Wenn Krefeld die Versicherungssumme aufbringt, kann ich schon am Freitag im Heimspiel gegen die Hamburg Freezers dabei sein“, sagt Ehrhoff.

Seidenberg würde gern für die Mannheim Adler spielen, wo sein Bruder Yannic unter Vertrag ist. Allerdings will er erst einmal die nächsten zwei Wochen noch die Entwicklung in Nordamerika abwarten. „Je länger der Lockout dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ich in Mannheim spiele. Wir haben zwar noch nicht konkret miteinander geredet, aber Interesse ist von beiden Seiten da“, versicherte Seidenberg. Der 31-Jährige wäre der erste deutsche Stanley Cup-Gewinner in der DEL.

Mit Mannheim werden auch Marcel Goc (Florida Panthers) und Jochen Hecht (vereinslos) in Verbindung gebracht. Ingolstadt soll Interesse an Marco Sturm (vereinslos) haben. Hecht und Sturm hatten bereits für Mannheim und Ingolstadt gespielt, als die NHL-Saison 2004/05 wegen eines Lockouts komplett ausfiel.

Seit jenem Arbeitskampf verzeichnete die Liga jährliche Rekordumsätze. Die Einnahmen stiegen von 2,1 Milliarden Dollar (2006) auf 3,3 Milliarden in der Vorsaison. „Und trotzdem wollen die Besitzer unsere Gehälter reduzieren - das ist unfair, dagegen werden wir kämpfen“, betont Seidenberg. Ausgerechnet sein Boss, Bruins-Besitzer Jeremy Jacobs, ist der größte Hardliner unter dem Eignern. „Er hat uns sehr gut unterstützt in den vergangenen Jahren, da können wir uns nicht beschweren. Aber es ist auch ein harter Businessman, kümmert sich um sein Geschäft, und alles andere ist ihm egal“, erklärte Seidenberg.

Er und seine NHL-Kollegen bekamen bislang 57 Prozent der Jahreseinnahmen, Sie sind bereit, die Einkünfte in den kommenden fünf Jahren auf durchschnittlich 53,2 Prozent zu reduzieren. Die Teambesitzer wollen den Spielern nur einen Mittelwert von 48 Prozent bis 2018 zahlen. Jeder Prozentpunkt entspricht pro Jahr rund 33 Millionen Dollar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " NHL-Lockout: US-Eishocheyliga sperrt ihre Spieler aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%