Nichts dem Zufall überlassen: Gold statt Plüschtiere

Nichts dem Zufall überlassen
Gold statt Plüschtiere

Die Eiskunstlauf-Weltmeisterin Irina Slutskaja versucht jedem Rummel im Vorfeld der Olympischen Spiele zu entgehen. Nach der bitteren Pleite von Salt Lake City 2002 will sie nichts dem Zufall überlassen, um ihrem großen Traum - eine Goldmedaille bei Olympia - einen Schritt näher zu kommen.

HB TURIN. Sie reiste so spät wie möglich an, gibt keine Interviews und will keinen Rummel: Eiskunstlauf-Weltmeisterin Irina Slutskaja schottet sich vor der mit Spannung erwarteten Damen- Konkurrenz völlig ab. Die Top-Favoritin hat 200 gesammelte Plüschtiere und etliche Pokale in ihrer Moskauer Wohnung, nur die Olympische Goldmedaille fehlt bisher.

Der siebte Titel bei den Europameisterschaften im Januar, mit dem sie Katarina Witt überholte, war nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach ganz oben. "Ich fühle mich sehr gut, es ist schön, hier zu sein", lautete Slutskajas knapper Kommentar nach dem ersten Training am Sonntag, in dem sie gleich eine hochwertige Dreifach-Dreifach-Kombination zeigte.

Nach dem bitteren zweiten Platz bei Olympia 2002 in Salt Lake City, wo viele Experten sie vor Siegerin Sarah Hughes sahen, und einer bedrohlichen Blutgefäßerkrankung ist die sympathische Russin gereift. Mit 27 Jahren wirkt sie athletischer und ausdrucksvoller als ihre Konkurrentinnen. Leistet sie sich im Kurzprogramm am Dienstag und der Kür als Flamenco-Tänzerin am Donnerstag keinen Fehler, wird sie wohl keine Konkurrentin auf ihrem Weg zu Gold aufhalten können.

Ein wenig Unruhe in die Anreise brachte die Verzögerung ihres Gepäcks, auf das sie mehr als eine Stunde warten musste. Ihr Flamenco-Kostüm kam zudem auf ungewöhnlichem Weg nach Turin: Als die verletzte Michelle Kwan ihre Teilnahme zurückzog und Emily Hughes nachnominiert wurde, schickte die New Yorker Designerin Tonia Bass die Maßanfertigung mit Emily nach Italien. "Wir haben die gleiche Designerin. Sie sagte zu mir, oh, du fährst nach Turin, kannst du Irinas Kostüm mitnehmen?", erzählte die 17 Jahre alte Emily Hughes lachend. "Ich habe es nicht angerührt", versicherte die Schwester der Olympiasiegerin von 2002, die zur Unterstützung ebenfalls kurzfristig anreiste.

"Ich habe keine Erwartungen. Ich werde einfach rausgehen und anreifen", sagte Emily Hughes, die seit ihrer Nominierung von einem Heer von amerikanischen Kamera-Teams auf Schritt und Tritt begleitet wird. "Das ist sehr interessant. Ich hätte niemals gedacht, dass die Dritte der nationalen Meisterschaften so eine Aufmerksamkeit bekommen könnte." Teamkameradin Sasha Cohen gehört schon eher zu den Herausforderinnen von Slutskaja ebenso wie Ex-Weltmeisterin Shizuka Arakawa aus Japan. Eine Außenseiter-Chance hat auch die Wahl- Oberstdorferin Carolina Kostner. Die Frage ist nur, wie die 19 Jahre alte italienische Fahnenträgerin die Erwartungen in ihrem Heimatland verkraftet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%