Nicolas Kiefer fiebert der Daviscup-Begegnung mit Tschechien entgegen
„Ich kann mich da so richtig reinsteigern“

Am Wochenende trifft das deutsche Daviscup-Team im Relegationsspiel auf Tschechien. Nicolas Kiefer erwartet einen Hexenkessel in dem neuen Eishockeystadion in Liberec: "Ich schöpfe sehr viel Kraft daraus, wenn die Fans brutal gegen mich sind oder brutal für mich. Das puscht mich richtig auf." Mit dem Handelsblatt sprach der Tennisprofi im Vorfeld über Gesundheit, sein Verhältnis zu Tommy Haas, die Vermarktungsprobleme der deutschen Tennisturniere und die Hilfe seiner 90-jährigen Oma auf dem Weg in die Tennisspitze.

Herr Kiefer, als deutscher Tennisfan muss man sich immer wieder Sorgen um Ihre Gesundheit machen. Wie geht es Ihnen?

Kiefer: Die letzten Jahre waren schon brutal. Ich hatte eine Handgelenksverletzung, dann Verletzungen am Fuß, Rücken und Nacken. Aber jetzt habe ich - toi, toi, toi - keine Probleme mehr. Mein Körper ist mein Kapital. Deshalb spiele ich seit Anfang des Jahres auch weniger und konzentriere mich auf die großen Turniere.

Bleiben da Ängste zurück? Denken Sie an die Verletzungen im Spiel?

Kiefer: Am Anfang schon. Bei meinen ersten Verletzungen habe ich viel drüber nachgedacht, wie ich das verkrafte. Aber die letzten Verletzungen habe ich eigentlich ganz gut weggesteckt. Ich habe einfach versucht, weiter zu trainieren. Als ich Probleme mit der Hand hatte, bin ich eben viel gelaufen. Vorher war es so, dass es Wochen gedauert hat, bis ich aus einem Verletzungstief wieder heraus gekommen bin.

Apropos Tief - steckt das deutsche Tennis in einer Misere?

Kiefer: Klar, das Interesse an Tennis ist rückläufig, aber das ist ja auch kein Geheimnis. Früher war das deutsche Tennis verwöhnt. Mit Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich gab es fast jede Woche einen Turniersieg. Ich glaube aber, dass wir spielerisch in Deutschland heute weiter sind als vor der Zeit von Becker und Co. Die drei waren eben Ausnahmespieler. Aber ich muss auch sagen, dass heute die Konkurrenz noch viel größer ist, fast jeder kann jeden schlagen. Das macht Tennis doch auch wieder interessanter.

Warum werden Turniere wie Hamburg dann nur bei Nischensendern übertragen?

Kiefer: Wir haben fünf bedeutende Turniere in Deutschland: München, Stuttgart, Hamburg, Halle und den World Team Cup in Düsseldorf. Halle und Düsseldorf sind immer ausverkauft und werden in großen TV-Sendern übertragen. Da muss man mal die Frage stellen, warum schaffen es die beiden und warum schaffen es die anderen drei nicht? Weil die Organisatoren, Gerry Weber und Horst Klosterkemper, wissen, wie man Tennis vermarktet. Jedes deutsche Turnier ist wichtig und deshalb sollten sich die deutschen Turnierdirektoren vielleicht alle mal zusammensetzen. Man kann nicht sagen, dass die anderen drei Turniere nicht in der Lage sind, Tennis besser zu verkaufen.

Das heißt, die anderen Turniere müssen besser vermarktet werden?

Kiefer: Gerry Weber und Horst Klosterkemper sind richtige Macher, die wissen, wie man so etwas veranstaltet. Ich will damit nicht sagen, dass die anderen Turnierdirektoren in Deutschland keine Macher sind, aber bei den einen klappt es, bei den anderen nicht. Woran es letztendlich liegt, weiß ich natürlich nicht. Aber man sieht doch, es ist machbar.

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