Nie war der America's Cup näher
Die Industrie setzt Segel

Den Seglern weht eine frische Brise um die Nase. Ihr Sport gewinnt mächtig an Fahrt. Dramatik, tolle Fotos, sauberes Image und ein Großereignis wie der America?s Cup vor Europas Küsten - alles passt. Das hat auch die Industrie gemerkt und setzt mit zig Millionen Sponsorgeldern auf den exklusiven Imageträger.

VALENCIA. Nie war er näher als im Jahr 2007. Wenn der America's Cup in zwei Jahren vor Valencia ausgetragen wird, können Segelfans aus Deutschland in nur zwei Flugstunden vor Ort sein. Nie war er telegener. Mehr als 60 Stunden wollen ARD und ZDF vom wichtigsten Segelrennen der Welt berichten. Und nie war er teurer. Der bevorstehende America?s Cup ist auch ein Rennen der Sponsoren. Die stehen mit Hunderten von Millionen Euro mit an den Trimmerklappen der Cup-Yachten. Die Liste der Konzerne, die als Finanziers beim America?s Cup mitsegeln, liest sich wie ein Who?s who der Wirtschaft: BMW und T-Systems, UBS und United Internet. Immer mehr Großunternehmen entdecken die Segelwelt als interessantes Marketing-Revier.

Rund 2,1 Milliarden Euro werden in diesem Jahr in Deutschland für Sportsponsoring ausgegeben. 2007 dürfte der Betrag sogar auf 2,7 Milliarden Euro steigen. Das ist ein Ergebnis der "Sponsor Visions"-Studie der Mediaagentur Pilot. Nach Ansicht der 200 befragten Experten werden neben der Königsdisziplin Fußball Sportarten wie Beachvolleyball, Golf und Segeln an Bedeutung gewinnen. Vor allem der Sport mit Wind und Wellen besitzt nach Überzeugung von Marketing-Experten genau die Attribute, die viele Unternehmen gerne selbst hätten. "Hightech-Segeln ist ein perfektes Zusammenspiel von Strategie, Schnelligkeit und modernster Technik, umgesetzt von einem hoch motivierten Team", erklärt Christian Rätsch, Senior Executive Vice President für Markenmanagement bei T-Systems.

T-Systems sticht als Sponsor des südafrikanischen Teams "Shosholoza" in See und hofft, auf diese Weise Eigenschaften erfolgreicher Regatta-Crews wie "Flexibilität, Kompetenz und Zuverlässigkeit" auf seine Marke übertragen zu können. Stichwort: Imagetransfer. "Der sportliche Erfolg der Crew ist für unser Engagement nicht entscheidend. Wichtiger ist der Sympathiefaktor der südafrikanischen Newcomer", unterstreicht Rätsch. So oder ähnlich reden alle Segelsportsponsoren.

Segeln galt lange Zeit als eine Sportart, die für Werbung kaum geeignet ist. Segelyachten kreuzen nicht vor Tribünen oder Logen und die mediale Aufbereitung ist schwierig. Heute wird mit Computeranimationen und Hubschrauberbildern die Dramatik der Rennen ins Wohnzimmer transportiert. Aber die Grenzen für klassische Werbung sind noch immer eng. "Die Flächen für Logos und Namen sind auf das Segel und den Rumpf begrenzt", erläutert Christine Angenendt von Pilot. "Und Bandenwerbung ist auf dem Meer auch nicht möglich." Es gilt andere Kurse zu fahren: integrierte Kommunikation statt nur Plakate. So stellt T-Systems dem Shosholoza- Team neben einem zweistelligen Millionenbetrag - man spricht von 17 Millionen Euro - auch Technik zur Verfügung: Laptops, die Datenkommunikation zwischen Boot und Land, Großrechner für Computersimulationen.

Rätsch ist überzeugt, mit dem America?s Cup "exakt unsere Zielgruppen zu adressieren". Damit nicht genug: Das grenzüberschreitende Interesse am größten Rennen der Welt hilft dem Dienstleister für Informations- und Telekommunikationstechnik, sich als Global Player zu positionieren. "Außerdem ist es kein Fehler, in dem Land bekannt zu sein, das die Fußballweltmeisterschaft 2010 ausrichtet", erläutert Rätsch. Schließlich liefert T-Systems zur WM in Deutschland elektronische Bezahl- und Verkehrsleitsysteme, stattet die Journalistenarbeitsplätze aus und sorgt für die Hörfunk- und Fernsehübertragung. Diesen Auftrag hätte man gerne auch 2010 in Südafrika ...

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