Nordische Kombination Weltcup
Aussetzer von Ackermann schlägt hohe Wellen

Nachdem er sich um den Sieg beim Weltcup in Lillehammer betrogen fühlte, konnte Ronny Ackermann seine Emotionen nicht im Zaum halten. Bei der Zieldurchfahrt stach Ackermann mit seinem Skistock zu.

Eklat um Ronny Ackermann: Der Nordische Kombinierer hat sich mit einem Stockstich gegen seinen Erzrivalen Hannu Manninen selbst ins Abseits gestellt. Nach der Zieldurchfahrt beim Weltcup in Lillehammer fügte der deutsche Doppelweltmeister dem am Boden liegenden Doppelsieger bei einem "Revanchefoul" eine etwa zehn Zentimeter lange Schramme am Arm zu und verweigerte ihm den Handschlag auf dem Siegerpodest. Die grandiose Rückkehr Ackermanns nach seinem verpatzten Saisonstart und der starke deutsche Auftritt gerieten angesichts des Ausrasters des Leitwolfs völlig in den Hintergrund.

"Hannu war sportlich unfair. Ich wollte auf der letzten Abfahrt an ihm vorbeifahren, da hat er mich ausgebremst und ich wäre fast in den Tiefschnee geraten. Er kann doch nicht tun und lassen was er will, wenn ihn einer überholen will", begründete der als Dritter mit winzigen 0,8 Sekunden hinter Manninen ins Ziel gekommene Ackermann seinen Ausraster: "Da muss die FIS reagieren, das gibts doch nicht".

"Mir tut der Arm immer noch weh"

Hannu Manninen selbst war sich "keiner Schuld bewusst" und konnte sich die überzogene Reaktion des ehrgeizigen Deutschen "nicht erklären": "Mit tut der Arm immer noch weh." Bundestrainer Hermann Weinbuch hatte Verständnis für die emotionale Reaktion seines wiedererstarkten Topmannes, verurteilte aber den Stockstich: "Da hat er den Verstand ausgeschaltet. Das ist keine Art, das sollte man nicht machen. Ronny ist halt vom Laufen so stark wie nie und kann Hannu schlagen."

Wegen der "bewusst unfairen Aktion" von Manninen ("Ronny war praktisch vorbei und Hannu hat ihn weggecheckt") legt der Chefcoach zwar keinen Protest ein, will aber ein Gespräch mit Renndirektor Ulrich Wehling vom Internationalen Skiverband FIS führen. Wehling selbst kündigte eine Auswertung der TV-Bilder an: "Wenn es was gab, werden wir reagieren. Wir haben die Möglichkeit, auch danach Strafen auszusprechen."

Ackermann steigert sich im Springen

Dem dramatischen Finale des zweiten Wettbewerbs war eine grandiose Aufholjagd des Thüringers von Platz zwölf nach einem 127-Meter-Sprung vorausgegangen: "Es geht aufwärts im Springen." Im Duo mit Manninen holte der 28-Jährige fast eine Minute Rückstand auf, doch nach 7,5km machte der Finne mit 0,4 Sekunden Vorsprung vor dem US-Amerikaner Todd Lodwick den 34. Weltcupsieg seiner Karriere perfekt. Am Vortag war Ackermann von Platz 16 nach dem Springen ebenfalls auf Rang drei mit 1:22,2 Minuten Rückstand hinter Manninen und dem Österreicher Felix Gottwald ins Ziel gestürmt. Als Lohn verdiente Ackermann gut 15 000 Euro Prämien.

Neben Ackermann und dem zuvor qualifizierten Thorsten Schmitt (Furrtwangen) schafften auch Georg Hettich (Schonach(zweimal 5.), Jens Gaiser (Mitteltal-Obertal/9. und 6.), Sebastian Haseney (Zella-Mehlis/12. und 7.) und Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt/17. und 11.) die Olympianorm. Weinbuch: "Wenn sich kein weiterer qualifiziert, sind die sechs bei Olympia dabei."

Im Gesamtweltcup liegt Ackermann als Siebter mit 155 Punkten nunmehr 195 Zähler hinter "Dominator" Manninen. "Diese sehr, sehr guten Rennen geben mir Auftrieb, auch wenn ich noch hart weiterarbeiten muss. Aber ich kann es auch in der Zukunft nicht akzeptieren, wenn mir meine Siegchancen auf diese Art und Weise genommen werden", meinte Ackermann.

© SID

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